Forschungsgruppe THAV

Entwicklung und Evaluation des Therapieprogramms für Kinder mit Aggressivem Verhalten 

Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Evaluation des Therapieprogramms für Kinder mit Aggressivem Verhalten (THAV; Görtz-Dorten & Döpfner, 2019). Das Therapieprogramm für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV) einschließlich der Fragebögen zum aggressiven Verhalten (FAVK, Görtz-Dorten & Döpfner, 2010) stellt ein umfassendes Behandlungspaket zur multimodalen Behandlung von Kindern im Alter von 6-12 Jahren mit aggressivem Verhalten besonders gegenüber Gleichaltrigen dar.

Ziel dieser Bemühungen soll es sein, in der Praxis anwendbare und erprobte Interventionen für Kinder mit aggressiven Verhaltensweisen besonders gegenüber Gleichaltrigen zur Verfügung zu stellen. THAV ist der multimodalen Psychotherapie verpflichtet, die patienten- und umfeldzentrierte Interventionen miteinander verbindet und damit den Leitlinien zur Therapie von Kindern mit aggressivem Verhalten entspricht. Patientenzentrierte Interventionen als Einzel- und Gruppentherapie bilden den Kern der Behandlung. Der Ansatzpunkt für die patientenzentrierten Interventionen sind Situationen, in denen das Kind ein aggressives Verhalten gegenüber Gleichaltrigen zeigt. Kognitive und behaviorale Interventionsmethoden kommen in dem modular aufgebauten Programm in einzelnen Behandlungsbausteinen zum Einsatz. Darüber hinaus bezieht das Therapieprogramm auch familien- und schulzentrierte Interventionen (als Einzel- und Gruppensitzungen) mit ein.

Erste positive Hinweise zur Durchführbarkeit und Wirksamkeit von THAV konnten anhand einer Vorstudie gefunden werden (THAV-1; Adrian, 2013). In einer nachfolgenden umfassenden Eigenkontrollgruppen-Studie wurde die Wirksamkeit von THAV im Vergleich zu einer Wartephase belegt (THAV-2, Görtz-Dorten et al., 2017) belegt. Anhand einer randomisierten Kontrollgruppenstudie konnte die Wirksamkeit der Intervention im Vergleich zu einer Spielgruppe evaluiert belegt werden (THAV-6, Görtz-Dorten et al., 2018). Schließlich konnte auch die Wirksamkeit von THAV als Gruppentherapie in natürlichen Gruppen belegt werden (Berger, 2016). 

Im Rahmen des Projektes wurden der Fragebogen zum aggressiven Verhalten von Kindern (FAVK; Görtz-Dorten & Döpfner, 2010; Benesch et al., 2013) entwickelt und die deutschsprachige
Fassung des Inventory of callous-unemotional traits überprüft (Benesch et al., 2014) (Projekt THAV-4). In Mediationsanalysen im Rahmen der randomisierten Kontrollgruppenstudie konnten die als störungsaufrechterhaltend angenommenen Faktoren (FAVK) nicht als Mediatoren für die Verminderung von aggressivem Verhalten identifiziert werden (Katzmann et al., 2018a). Allerdings konnte die Verminderung von aggressivem Verhalten als Mediator für die Reduktion von elterlicher Psychopathologie identifiziert werden (Katzmann et al., 2018b).  

Finanzierung

  • Ausbildungs- und Forschungsinstitut für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Uniklinik Köln (AKiP)
  • Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Köln 
Publikationen

Benesch, C., Görtz-Dorten, A., Breuer, D. & Döpfner, M. (2013). Erfassung aggressionsauslösender und -aufrechterhaltender Faktoren bei Kindern mit oppositionellen und aggressiven Verhaltensstörungen im Eltern-, Lehrer- und Selbsturteil. Zur Reliabilität und Validität des Fragebogens zum aggressiven Verhalten von Kindern (FAVK). Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 42, 269-279. 

Benesch, C., Görtz-Dorten, A., Breuer, D. & Döpfner, M. (2014). Assessment of callous-unemotional traits in 6 to 12 year-old children with Oppositional Defiant Disorder/Conduct Disorder by parent ratings. Journal of Psychopathology and Behavioral Assessment, 36, 519-529.

Döpfner, M., Adrian, K. & Hanisch, C. (2007). Treatment and management of conduct disorders in children and adolescents In A. Felthous & H. Saß (eds.), The international handbook on psychopathic disorders and the law (p. 417-448). New York: Wiley.

Döpfner, M. & Görtz-Dorten, A. (2011). Klinische Praxis der Diagnostik und Therapie aggressiv-dissozialer Störungen im Kindes- und Jugendalter. In G. Deegener & W. Körner (Hrsg.), Aggression und Gewalt im Kindes- und Jugendalter (S. 106-126). Weinheim: Beltz.

Görtz-Dorten, A., & Döpfner, M. (2019). Therapieprogramm für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV). (2. erweiterte Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2010). Fragebogen zum aggressiven Verhalten von Kindern (FAVK). Göttingen: Hogrefe.

Goertz-Dorten, A., Benesch, C., Hautmann, C., Berk-Pawlitzek, E., Faber, M., Lindenschmidt, T., Stadermann, R., Schuh, L., & Doepfner, M. (2017). Efficacy of an individualized social competence training for children with Oppositional Defiant Disorders / Conduct Disorders. Psychotherapy Research 27, 326-337. doi: 10.1080/10503307.2015.1094587

Görtz-Dorten, A., Benesch, C., Berk-Pawlitzek, E., Faber, M., Hautmann, C., Hellmich, M., Lindenschmidt, T., Schuh, L., Stadermann, R., & Döpfner, M. (2018). Efficacy of an individualized social competence training for children with oppositional defiant disorders / conduct disorders: a randomized controlled trial with an active control group. European Child & Adolescent Psychiatry (epub). doi: 10.1007/s00787-018-1144-x

Katzmann, J., Görtz-Dorten, A., & Döpfner, M. (2018). Child-based treatment of oppositional defiant disorder: Mediating effects on maternal depression, anxiety and stress. European Child and Adolescent Psychiatry 27, 1181-1192. doi: 10.1007/s00787-018-1181-5

Katzmann, J., Görtz-Dorten, A., Hautmann, C. & Döpfner, M. (2018). Social skills training and play group intervention for children with oppositional defiant disorders / conduct disorder: Mediating mechanisms in a head-to-head comparison. Psychotherapy Research (online). doi: 10.1080/10503307.2018.1425559.

Kernder, T., Doepfner, M., Dose, C., & Görtz-Dorten, A. (2018). Psychometric properties of a modified version of the Weiss Functional Impairment Rating Scale – Parent Report (WFIRS-P) in a clinical sample of children with aggressive behavior. Quality of Life Reasearch (epub ahead of print). doi: 10.1007/s11136-018-2015-0

Dissertationen

Adrian, K. (2013). Evaluation des Therapieprogramms für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV). Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln (Dr. rer. medic.)

Benesch, C. (2014). Erfassung von störungsauslösenden und -aufrechterhaltenden Faktoren bei Kindern mit aggressivem Verhalten. Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln (Dr. rer. medic.)

Berger, U. (2016) Überprüfung der Wirksamkeit des Therapieprogramm für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV) in natürlichen Gruppen – eine Pilotstudie. Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln (Dr. rer. medic.).

Faber, M. (2014). Therapie-Integrität, Therapie-Compliance, Therapie-Zufriedenheit und Therapie-Beziehung in der randomisierten Kontrollgruppenstudie zur Wirksamkeit des Therapieprogramms für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV). Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln. (Dr. rer. medic.)
Lindenschmidt, T. (2016). Stabilität der Wirksamkeit des Therapieprogramms für Kinder mit aggressiven Verhaltensweisen (THAV). Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln. (Dr. rer. medic.)

Schuh, L. (2015). Expressed Emotion in Familien von Kindern mit Störung des Sozialverhaltens. Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln. (Dr. rer. medic.). DOI: 10.4126/FRL01-006399218.

Aktuelle Teilprojekte

THAV-3: Therapie-Integrität, Therapie-Compliance und Therapie-Beziehung bei THAV

Therapie-Integrität, Therapie-Compliance und Therapie-Beziehung in der Behandlung von Kindern mit aggressivem Verhalten

Forschungsteam
Martin Faber (federführend), Christina Benesch, Emel Berk, Anja Görtz-Dorten (koordinierend), Hendrik Hasselbeck, Timo Lindenschmidt, Lioba Schuh, Rahel Stadermann, Manfred Döpfner

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2020

Zielsetzung 
Im Rahmen dieses Teilprojektes wird der Fokus auf die Evaluation des Therapieprozesses gerichtet. Dieser wird hinsichtlich der zentralen Therapiemerkmale Behandlungs-Integrität, Behandlungs-Compliance und Therapie-Beziehung untersucht und sowohl deren Bedeutung für den Therapieerfolg, als auch entscheidende Beziehungen unter den einzelnen Variablen herausgearbeitet. Es wird von einer hohen Relevanz der drei Faktoren für die Entwicklung des aggressiven Problemverhaltens im Therapieverlauf ausgegangen. Zudem wird angenommen, dass jedes der drei Merkmale einen spezifischen Varianzanteil am Therapieerfolg hat. Auch signifikante Korrelationen unter den drei Prozess-Merkmalen werden vermutet.

Methoden
Bei den untersuchten Therapieprozessen handelt es sich um verhaltenstherapeutische Einzelbehandlungen in einer klinischen Stichprobe von n = 60 Kindern mit einer Störung des Sozialverhaltens, welche mit dem Therapieprogramm THAV behandelt wurden. 
Die benannten Hypothesen werden sowohl anhand standardisierter als auch mit eigens für die THAV Studie entwickelter Fragebogenverfahren überprüft. So kommen hinsichtlich der Untersuchung der therapeutischen Beziehung die von Kinnen entwickelten Bögen (BeKi) zum Einsatz, welche von Therapeut, Patient und Eltern ausgefüllt werden. Patienten- Compliance und Behandlungs-Integrität werden jeweils vom Therapeuten anhand von Fragebögen erfasst.

Ergebnisse 
Die Implementierung von Behandlungsintegrität wurde in der vorliegenden Studie weitestgehend den theoretischen Empfehlungen entsprechend gewährleistet. Die Behandlungsintegrität korreliert signifikant mit der Reduktion der Symptomatik. Die Behandlungscompliance der Patienten und ihrer Eltern liegt auf einem hohen Niveau. Zwischen Patienten- und Elterncompliance zeigten sich signifikante Zusammenhänge, ebenso wie zwischen der Behandlungscompliance der Kinder und dem Therapieerfolg. 

Sowohl die Therapeut-Patient-Beziehung als auch die Therapeut-Eltern-Beziehung wurden aus allen Beurteilerperspektiven als gut bewertet. Vor allem hinsichtlich der Therapeut-Eltern-Beziehung scheint es einen Zusammenhang mit dem Therapieerfolg zu geben. Insbesondere die therapeutische Beziehung erklärt, im Vergleich zur Behandlungscompliance und Behandlungsintegrität, einen signifikanten Varianzanateil des Therapieerfolgs (Faber, 2014). 

THAV-5: Expressed Emotion bei Störungen des Sozialverhaltens

Expressed Emotion in Familien von Kindern mit Störung des Sozialverhaltens

Forschungsteam
Lioba Schuh (federführend), Christina Benesch, Emel Berk, Martin Faber, Anja Görtz-Dorten (koordinierend), Timo Lindenschmidt, Rahel Stadermann, Manfred Döpfner

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2020

Zielsetzung
Mit dieser Arbeit wurde das Ziel verfolgt, unser Verständnis der Bedeutung von Expressed Emotion bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Störungen des Sozialverhaltens zu erweitern. Zu diesem Zweck wurde im Vergleich zu anderen thematisch verwandten Studien insbesondere deutlicher zwischen verschiedenen Symptomgruppen innerhalb der Störungen des Sozialverhaltens differenziert und erstmals der Zusammenhang zwischen Expressed Emotion (Criticism) der Eltern und Callous-Unemotional Traits des Kindes beleuchtet.

Methoden
Expressed Emotion der Bezugsperson wird in einer videoaufgezeichneten Sprechprobe, der Five Minute Speech Sample (FMSS), erfasst. Die Auswertung des Materials erfolgt u.a. durch einen externen Rater anhand eines standardisierten Kodierungsmanuals; die Inter-Rater-Reliabilität wurde erfasst und als zufriedenstellend bewertet.

Ergebnisse
Es zeigte sich, dass Expressed Emotion der Eltern signifikant positiv mit aggressiv-dissozialem Verhalten des Kindes korrelierte, mit oppositionellem Verhalten hingegen nicht. Zudem ergaben sich signifikante, teils hohe positive Korrelationen mit mangelndem Mitgefühl und Schuldempfinden (Callousness / Lack of Guilt or Remorse) sowie mit Indifferenz bezüglich der eigenen Leistungen (Unconcerned about Performance), gleichwohl nicht mit mangelndem Affektausdruck (Unemotional). Entgegen der Erwartungen zeigte sich kein Zusammenhang von Expressed Emotion mit psychopathologischen Merkmalen der Eltern. 

Neben diesen Querschnitt-Analysen, wurden zudem im Längsschnitt potentielle Interventionseffekte von THAV auf Expressed Emotion und psychopathologische Merkmale der Eltern überprüft. Obwohl der Schwerpunkt der Behandlung auf kindzentrierten Interventionen lag, zeigten sich signifikante Interventionseffekte bezüglich Expressed Emotion und elterlichem Stress. Auf Angstsymptome und Depressivität der Eltern hatte die Therapie des Kindes hingegen keinen Einfluss. Eine Hypothese bezüglich der denkbaren Mediatorfunktion von Expressed Emotion bei der interventionsbedingten Reduktion von Callous-Unemotional Traits konnte ebenfalls nicht bestätigt werden (Schuh, 2015).

THAV-7: Stabilität der Effekte von THAV

Stabilität der Effekte von THAV– Ergebnisse aus der randomisierten Kontrollgruppenstudie

Forschungsteam
Timo Lindenschmidt (federführend), Christina Benesch, Emel Berk, Martin Faber, 
Anja Görtz-Dorten (koordinierend), Lioba Schuh, Rahel Stadermann, Manfred Döpfner

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2020

Zielsetzung
Die Stabilität der Effekte von THAV auf die aggressive und die komorbide Symptomatik sowie die störungsaufrechterhaltenden Bedingungen soll in einer Follow-up Untersuchung 12 Monate nach Behandlungsende untersucht werden.

Methoden
N=91 konnten im 12 Monate-Follow-up kontaktiert werden. Per Fragenbögen wurde die aggressive Symptomatik im Elternurteil (FBB-SSV), die störungsaufrechterhaltenden Bedingungen im Elternurteil (FAVK), die störungsspezifische komorbide Symptomatik (FBB-ADHS), sowie die allgemeine komorbide Symptomatik (CBCL) erhoben. Außerdem wurden die zwischenzeitlichen Lebensereignisse (ZLEL) der Kinder im Follow-up- Zeitraum im Elternurteil erhoben, um mediierende Einflüsse zu erfassen. Die statistischen Analysen erfolgen über bivariate und multivariate Verfahren.

Ergebnisse
Bei den Eigenkontrollgruppenanalysen konnte eine Stabilität der im Verlauf der THAV-Behandlung erzielten Effekte über den Zeitraum von einem Jahr belegt werden; auf einzelnen Variablen (oppositionell-aggressive Symptomatik, Impulsivität) ließ sich sogar eine weitere Verbesserung der Symptomatik im Katamnesezeitraum nachweisen. Beim Vergleich der Stabilität der Effekte in der THAV-Gruppe und die der Spielgruppe konnte gezeigt werden, dass sich die Effekte in beiden Gruppen stabilisierten, allerdings ließen sich auch noch nach einem Jahr in der THAV-Gruppe eine geringere aggressive und komorbide Symptomatik nachweisen (Lindenschmidt, 2016).

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