Digitale Diagnostik und Therapie

AKiP entwickelt und evaluiert in mehreren Forschungsprojekten digitale Hilfen zur Unterstützung von Diagnostik und Therapie psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen sowie zum Training in der Anwendung verhaltenstherapeutischer Behandlungsmanuale.

Dazu gehören:

  • Computergestützte digitale Durchführungs- und Auswertungsprogramme für diagnostische Verfahren, beispielsweise für das Diagnostik-System DISYPS-III
  • Mobile Applikationen für Kinder und Jugendliche oder auch ihre Eltern zur Unterstützung von Diagnostik, sowie von Selbsthilfe- und therapeutischen Interventionen, beispielsweise die App-unterstützte Therapiearbeit für Kinder (AUTHARK), die Journaling APP for Youth (JAY), die Smartphone-App für Eltern von Kindern mit ADHS (ADHS-KIDS) oder die Digitale Gesundheitsanwendung (DIGA) hiToco®
  • Computerbasierte Therapieprogramme, wie das Soziale computerunterstützte Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT)
  • Online Selbsthilfe- und  Interventionsprogramme, wie der ADHS-Elterntrainer oder der Familiencoach Kinderängste
  • Therapeutisches Online-Coaching und Ferntherapie, beispielsweise bei Kindern und Jugendlichen mit Zwangsstörungen oder mit Tic-Störungen 
  • Digitale Therapie-Rückmeldesysteme zur Verbesserung von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie durch Verlaufs-Monitorierung. 
  • Digitales Therapeuten-Training in der Anwendung verhaltenstherapeutischer Behandlungsmanuale
Diagnostische Durchführungs- und Auswertungsprogramme

Im Hogrefe Testsystem werden digitale Durchführungen und Auswertungen für folgende Fragebogenverfahren angeboten, die bei AkiP entwickelt wurden:

  • DISYPS-III – Diagnostik-System für Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter nach ICD-10 und DSM-5 (DISYPS-III): Störungsspezifische Fragebogen (FBB und SBB) und FBB- /SBB- SCREEN
  • VBV – Verhaltensbeurteilungsbogen für Vorschulkinder
  • PHOKI –  Phobiefragebogen für Kinder und Jugendliche

Zusätzlich steht ein Testauswerteprogramm für die Deutschen Schulalterformen der Child Behavior Checklist (CBCL/6-18R, YSR/11-18R, TRF/6-18R) über den Hogrefe-Verlag zur Verfügung (CBCL/6-18R, TRF/6-18R, YSR/11-18R - Deutsche Schulalter-Formen der Child Behavior Checklist von Thomas M. Achenbach – Hogrefe Verlag).

Weitere diagnostische Module; beispielsweise mit Momentary Assessment sind in den Smartphone Apps ADHS-KIDS (LINK s.u.), AUTHARK (LINK s.u.) und JAY (LINK s.u.) enthalten.

Literatur
Döpfner, M. & Görtz-Dorten, A. (2017). Diagnostik-System für psychische Störungen nach ICD-10 und DSM-5 für Kinder- und Jugendliche (DISYPS-III). Bern: Hogrefe.

Döpfner, M., Berner, W., Breuer, D., Fleischmann, T. & Schmidt, M. H. (2018). VBV 3-6. Verhaltensbeurteilungsbogen für Vorschulkinder (2. überarbeitete und erweiterte Auflage mit Kurzformen ed.). Göttingen: Hogrefe.

Döpfner, M., Plück, J., Kinnen, C. für die Arbeitsgruppe Deutsche Child Behavior Checklist. (2014). Deutsche Schulalter-Formen der Child Behavior Checklist von Thomas M. Achenbach. Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen, (CBCL/ 6-18R), Lehrerfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen (TRF/6-18R), Fragebogen für Jugendliche (YSR/11-18R). Göttingen: Hogrefe.

Döpfner, M., Schnabel, M., Goletz, H. & Ollendick, T. (2006). Phobiefragebogen für Kinder und Jugendliche (PHOKI). Göttingen: Hogrefe.

Mobile App: ADHS-KIDS
Grafik: AKiP Uniklinik Köln
Grafik: AKiP Uniklinik Köln

Die Mobile App ADHS-KIDS (Döpfner, 2016) soll Eltern von Kindern mit ADHS über das Störungsbild und über hilfreiche Erziehungsstrategien informieren und sie dabei unterstützten, solche Strategien in konkreten problematischen Alltagssituationen umzusetzen und damit diese Probleme besser zu bewältigen. Die App basiert auf dem Selbsthilfebuch Wackelpeter und Trotzkopf (Döpfner & Schürmann, 2023) und kann unter Anleitung von Ärzten oder Psychotherapeuten im Rahmen verhaltenstherapeutischer Interventionen (z.B. nach dem Therapieprogramm THOP) oder auch in Kombination mit einer pharmakologischen Behandlung eingesetzt werden; sie kann aber auch als Selbsthilfe von den Eltern eigenständig benutzt werden.

Die App besteht aus vier Modulen (ADHS-Kids - Für Eltern hyperaktiver Kinder - Manfred Döpfner | BELTZ):

  • Im Modul ADHS – Fakten werden den die Eltern die wichtigsten Informationen zu ADHS vermittelt.
  • Im Modul Methoden lernen die Eltern zentrale Erziehungsmethoden kennen, die sich im Alltag bei Kindern mit ADHS als nützlich und effektiv erwiesen haben (Auf Positives achten; Spaß- & Spielzeit; Regeln formulieren und effektiv auffordern; loben; Konsequenzen setzen). Diese werden in Merksätzen zusammengefasst, die Eltern selbst ergänzen können.
  • Im Modul Umsetzung können die Eltern konkrete Verhaltensprobleme ihres Kindes im häuslichen Umfeld bearbeiten. Sie können aus fünf häufig auftretenden Problemen (Morgenchaos, Mahlzeiten, Hausaufgaben, Wutausbrüche, Geschwisterrivalität) eines auswählen oder ein eigenes anlegen. Schritt für Schritt werden die Eltern angeleitet, die Erziehungsmethoden umzusetzen. Über eine Erinnerungsfunktion können die Eltern sich zu einer definierten Uhrzeit erinnern lassen.
  • Im Modul Tagebuch protokollieren die Eltern anhand von Smileys wie problematische Situation an diesem Tag verlaufen sind. Sie können sich täglich daran erinnern lassen, den Tagebuch Eintrag vorzunehmen.

Evaluation
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Eltern mit dieser App gut umgehen können und sie ihnen hilft, typische Verhaltensprobleme in familiären Situationen besser zu bewältigen.

Literatur
Döpfner, M. (2016). ADHS-Kids: Eltern helfen ihren hyperaktiven und trotzigen Kindern. Smartphone-App. Retrieved from play.google.comhttps://itunes.apple.com

Döpfner, M. (2020). Computer- und mediengestützte Interventionen In M. Döpfner, M. Hautzinger & M. Linden (Hrsg.), Verhaltenstherapiemanual: Kinder und Jugendliche (S. 181 - 185). Berlin: Springer.

Döpfner, M. & Schürmann, S. (2023). Wackelpeter und Trotzkopf. Hilfen für Eltern bei ADHS-Symptomen, hyperkinetischem und oppositionellem Verhalten (6. überarb. Aufl.). Weinheim: Beltz.

Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2021). Smartphone Apps zur Augmentation von Kinder- und Jugendlichenverhaltenstherapie. VPP aktuell, 53, 773 - 793.

Mobile App: AUTHARK
Illustration: Klaus Gehrmann
Illustration: Klaus Gehrmann

Die App-unterstützte Therapiearbeit für Kinder (AUTHARK) wurde ursprünglich für die Unterstützung in der Behandlung von Kindern mit gleichaltrigenbezogenem aggressivem Verhalten nach den Therapieprogrammen THAV und ScouT (Görtz-Dorten & Döpfner 2016, 2019a) entwickelt. Sie wurde erweitert und kann auch als universelle Therapie-Applikation bei Kindern mit ADHS und anderen psychischen Störungen, wie Angststörungen, Zwangsstörungen, depressiven Störungen und oppositionellen Verhaltensstörungen eingesetzt werden.

Die Funktionen der App und ihre Anwendung sind in einem Manual (Görtz-Dorten & Döpfner, 2020; https://authark-app.de/) genauer erläutert:

Psychoedukations-Funktion („Infos“). Zu einem bestimmten von der Therapeutin/ dem Therapeuten zu definierenden Störungsbereich wird dem Kind anhand von sich nach und nach aufbauenden Grafiken ein Entstehungsmodell über die Ursachen des jeweiligen Problemverhaltens erklärt. Dieses Modell stellt die Basis für die Entwicklung einzelner Interventionsschritte dar. Die Ansätze einer kognitiven Verhaltenstherapie werden vorgestellt und ein Ausblick auf Veränderungsmöglichkeiten wird gegeben.

Momentary Assessment-Funktion („Wie geht’s?“). Zu bestimmten von der Therapeutin/vom Therapeuten zu definierenden Uhrzeiten wird die Patientin/der Patient per Push-Nachricht aufgefordert, über seine aktuellen Gefühle (z.B. Angst, Ekel, Freude, Trauer, Wut) und Befindlichkeiten (z.B. aufmerksam, unruhig) durch kurze Eingaben Auskunft zu geben. Anhand eines Gefühlsthermometers kann zudem die Intensität der Gefühle angegeben werden. Welche Gefühle oder Stimmungen beurteilt werden sollen, kann von der Therapeutin/ vom Therapeuten definiert werden. Zusätzlich können vom Therapeuten weitere Items (Aussagen) frei vorgegeben werden, die aktuelle Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen abfragen.

Videotagebuch-Funktion („Video-Tagebuch“). Das Kind wird von Till Taff, der Identifikationsfigur, begrüßt und aufgefordert über eine schwierige Situation zu berichten oder darüber, was ihm heute gut gelungen ist, indem es ein Video aufnimmt und die Situation erzählt. Das Kind kann anhand verschiedenen Fragen (z.B.: „Was ist passiert?“, „Was hast du gedacht?“, „Wie hast du dich gefühlt?“, „Was hast du gemacht?“) beschreiben, was passiert ist.

Erinnerungsfunktion („Denk‘ dran!“). Das Kind wird zu einem gewünschten Zeitpunkt an eine Therapieaufgabe erinnert (beispielsweise Hausaufgaben zu erledigen), welche der Therapeut in der Therapiesitzung gemeinsam mit dem Kind frei definiert hat. Die Ergebnisse der Therapieaufgabe kann die Patientin/der Patient über einzelne Items dokumentieren (z.B.: „Hast du an deine Aufgabe gedacht und sie versucht zu erledigen?“) und es kann auch per Video-Tagebuch davon berichten, wie es die Therapieaufgabe bewältigt hat. Hier kann das Kind beispielsweise auch an seine Medikamenteneinnahme erinnert werden

Problemlösefunktion („Till fragt um Rat“). Zum Einüben von sozial kompetenten Problemlösungen kann das Kind Trainingsaufgaben erhalten (z.B. zur Lösung von Konfliktsituationen mit Gleichaltrigen) und es kann überprüft werden, wie gut die Patientin/der Patient erlernte Problemlösestrategien abrufen kann (z.B. soziale Konfliktsituation wird vorgestellt und die Patientin/der Patient soll Ärger-Killergedanken nennen). Dabei meldet sich Till an bestimmten Tagen zu einer bestimmten vom Therapeuten definierten Uhrzeit mit einem sozialen Problem mit dem er konfrontiert ist und bittet die Patientin/den Patienten um Rat. Die Patientin/der Patient kann per Videobotschaft eine Antwort geben. Diese Trainingsfunktion kann auch für Selbstmanagement-Aufgaben für Kinder mit ADHS genutzt werden.

Verstärkerfunktion („Tills Store“). Nach jedem Durchlauf einer Funktion kann das Kind mit Münzen belohnt werden und es kann sie für neue Anziehsachen und Gadgets für Till im „Tills Store“ oder gegen Belohnungen im Alltag eintauschen.

Evaluation
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Kinder diese App sehr gerne annehmen und damit unterstützt werden können Therapieaufgaben im Alltag umzusetzen. Die Anwendbarkeit und Wirksamkeit dieser App wird gegenwärtig in mehreren Studien untersucht (https://akip.uk-koeln.de/forschung-publikationen/aktuelle-forschungsgruppen/fg-ditho/ ). Eine Studie über die Anwendung der App bei Kindern mit oppositioneller Verhaltensstörung und gleichaltigenbezogenem aggressivem Verhalten wird aktuell abgeschlossen (Görtz-Dorten et al., 2022)

Update
Aktuell wird die App technisch überarbeitet und soll auch eine erweiterte Funktionalität erhalten. Die Überarbeitete Fassung soll im Frühjahr 2026 zur Verfügung stehen.

Literatur
Döpfner, M. (2020). Computer- und mediengestützte Interventionen In M. Döpfner, M. Hautzinger & M. Linden (Hrsg.), Verhaltenstherapiemanual: Kinder und Jugendliche (S. 181 - 185). Berlin: Springer.

Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2016). Soziales computerunterstütztes Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT). Göttingen: Hogrefe.

Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2019). Therapieprogramm für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV). (2. erweiterte Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

Görtz-Dorten, A., & Döpfner, M. (2020). App-unterstützte Therapie-Arbeit für Kinder (AUTHARK). Manual. Version 2.0, from https://authark-app.de/

Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2021). Smartphone Apps zur Augmentation von Kinder- und Jugendlichenverhaltenstherapie. VPP aktuell, 53, 773 - 793.

Görtz-Dorten, A., Frank, M., Hofmann, L., Fessel, A., & Döpfner, M. (2022). Effects of a smartphone app-augmented treatment for children with oppositional defiant disorders / conduct disorders and peer-related aggressive behavior - a pilot stuy. Trials, 23: 554. Retrieved from doi:https://doi.org/10.1186/s13063-022-06325-6

Mobile App: JAY

Die Journaling App for Youth (JAY) wurde auf der Basis von AUTHARK entwickelt. Sie kann als universelle Therapie-App bei Jugendlichen mit verschiedenen psychischen Störungen, beispielsweise Störungen des Sozialverhaltens, ADHS, Angststörungen, Zwangsstörungen und depressiven Störungen eingesetzt werden. Die Funktionen der App und ihre Anwendung sind in einem Manual (Görtz-Dorten & Döpfner, 2020; https://JAY-app.de/) genauer erläutert:

Gestaltungs-Funktion („Mein Avatar“). Hier können die Jugendlichen sich ihren Avatar und die Bildschirmgestaltung frei auswählen.

Psychoedukations-Funktion („Infos“). Zu einem bestimmten von der Therapeutin/ dem Therapeuten zu definierenden Störungsbereich wird dem/der Jugendlichen anhand von sich nach und nach aufbauenden Grafiken das Entstehungsmodell über die Ursachen des jeweiligen Problemverhaltens erklärt. Dieses Modell stellt die Basis für die Entwicklung einzelner Interventionsschritte dar. Die Ansätze einer kognitiven Verhaltenstherapie werden vorgestellt und ein Ausblick auf Veränderungsmöglichkeiten gegeben

Momentary Assessment-Funktion („Wie geht’s?“). Zu bestimmten von der Therapeutin/vom Therapeuten zu definierenden Uhrzeiten wird die Patientin/der Patient per Push-Nachricht aufgefordert, über seine aktuellen Gefühle (z.B. Angst, Ekel, Freude, Trauer, Wut) und Befindlichkeiten (z.B. aufmerksam, unruhig, lustlos) durch kurze Eingaben Auskunft zu geben. Anhand eines Gefühlsthermometers kann zudem die Intensität der Gefühle angegeben werden. Welche Gefühle oder Stimmungen beurteilt werden sollen, kann von der Therapeutin/ vom Therapeuten definiert werden. Zusätzlich können vom Therapeuten Items (Aussagen) frei vorgegeben werden, die aktuelle Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen abfragen.

Videotagebuch-Funktion („Video-Tagebuch“). Die/der Jugendliche wird von Till/Tilla Taff, der Identifikationsfigur, begrüßt und aufgefordert über eine schwierige Situation zu berichten oder darüber, was ihm heute gut gelungen ist, indem es ein Video aufnimmt und die Situation erzählt. Die/der Jugendliche kann dann anhand verschiedener Fragen (z.B.: „Ey, was geht?! Gab‘s heute ne schwierige Situation für dich? Erzähl mal! Was ging ab? Was hast du gedacht? Was ging in deinem Kopfkino dabei ab? Wie hast du dich gefühlt? Was hast du danach gemacht?“) beschreiben, was passiert ist.

Erinnerungsfunktion („Denk‘ dran!“). Die/der Jugendliche wird zu einem gewünschten Zeitpunkt an eine Therapieaufgabe erinnert (beispielsweise Hausaufgaben zu erledigen), welche die Therapeutin / der Therapeut in der Therapiesitzung gemeinsam mit dem/der Jugendlichen frei definiert hat. Die Ergebnisse der Therapieaufgabe kann die Patientin/der Patient über einzelne Items dokumentieren (z.B.: „Hast du deine heutige Self-imposed-Challenge „ …“  angenommen?“) und sie/er kann auch per Video-Tagebuch davon berichten, wie es die Therapieaufgabe bewältigt hat.

Problemlösetrainings-Funktion („Sei dein eigener Regisseur“). Zum Einüben von sozial kompetenten Problemlösungen kann der/die Jugendliche Trainingsaufgaben erhalten (z.B. zur Lösung von Konfliktsituationen mit Gleichaltrigen) und es kann überprüft werden, wie gut die Patientin/der Patient erlernte Problemlösestrategien abrufen kann (z.B. soziale Konfliktsituation wird vorgestellt und die Patientin/der Patient soll Gegengedanken nennen). Dabei meldet sich Till/Tilla an bestimmten Tagen zu einer bestimmten vom Therapeuten definierten Uhrzeit mit einem Problem und konfrontiert den/die Jugendliche(n) damit und bittet ihn / sie, das Problem zu lösen (z.B. Stell dir folgende Situation für dich vor: z:B. eine Mitschülerin aus deiner Klasse sagt Krapfengesicht zu dir). Die Patientin/der Patient kann per Videobotschaft eine Antwort geben. Diese Trainingsfunktion kann auch für Selbstmanagement-Aufgaben für Jugendliche mit ADHS genutzt werden.

Bewältigungsskills-Funktion („Skills“). Hier finden die Jugendlichen eine Auswahlliste an Bewältigungsskills und sie können auch per Video-Tagebuch davon berichten, wie sie die Skills eingesetzt haben.

Verstärkerfunktion („Store“). Nach jedem Durchlauf einer Funktion kann der/die Jugendliche mit Münzen belohnt werden und er/sie kann sie für Gadgets, Spiele etc. im „Store“ oder gegen Belohnungen im Alltag eintauschen.

Evaluation
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Jugendliche diese App gerne annehmen und damit unterstützt werden können Therapieaufgaben im Alltag umzusetzen. Die Anwendbarkeit und Wirksamkeit dieser App wird gegenwärtig in Einzelfallstudien untersucht.

Literatur
Döpfner, M. (2020). Computer- und mediengestützte Interventionen In M. Döpfner, M. Hautzinger & M. Linden (Hrsg.), Verhaltenstherapiemanual: Kinder und Jugendliche (S. 181 - 185). Berlin: Springer.

Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2020). Journaling App for Youth (JAY). Version 1.0, from https://jay-app.de/

Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2021). Smartphone Apps zur Augmentation von Kinder- und Jugendlichenverhaltenstherapie. VPP aktuell, 53, 773 - 793.

Mobile App hiToco®

hiToco® ist ein Elterntraining, das über Smartphones oder über Tablets, also über mobile Endgeräte genutzt und von den Eltern selbst gesteuert werden kann. Es wurde unter wissenschaftlicher Leitung von Manfred Döpfner und Anja Görtz-Dorten in Kooperation mit der Firma Medigital entwickelt und in einer ersten Pilotstudie auf seine Wirksamkeit geprüft (Döpfner et al., 2025). hiToco® wurde für Eltern von Kindern mit ADHS oder mit Störungen des Sozialverhaltens mit oppositionellem Trotzverhalten entwickelt. Eltern können die Applikation eigenständig nutzen und dabei bei Bedarf auf eine Online- bzw. telefonische Beratung zurückgreifen. Auch eine Kombination mit psychosozialen oder pharmakologischen Interventionen ist möglich. hiToco® ist vorläufig als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen und kann von Ärztinnen und Ärzten oder von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verschrieben werden. Weitere Informationen dazu finden sich unter www.hitoco.de.

Grundlagen von hiToco®

Die inhaltliche Basis von hiToco® bilden die wissenschaftlichen Ergebnisse und klinischen Erfahrungen aus den Studien hauptsächlich von Arbeitsgruppen AKIP/CEKIP an der Universität zu Köln zu Selbsthilfeinterventionen für Eltern von Kindern mit ADHS und oppositionellen Verhaltensstörungen der vergangenen 20 Jahre. hiToco®  basiert vor allem auf dem Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten – THOP (Döpfner et al., 2025), auf dem Selbsthilfebuch „Wackelpeter und Trotzkopf“ (Döpfner et al., 2023) und auf dem Selbsthilfeprogramm „Den Alltag meistern mit ADHS“ (Döpfner et al. 2021, 2022). Dieses aus fünf Modulen bestehende Elterntraining nutzt die Psychoedukation und Verhaltensinterventionen als zentrale Bausteine zur Verbesserung von kindlichen Verhaltensproblemen. Dabei liegt ein wichtiger Schwerpunkt auf der Stärkung der eigenen (elterlichen) Ressourcen und auf konkreten Hilfen, mit denen sich herausfordernde alltägliche Situationen meistern lassen. Die Eltern können einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Trainingsplan erstellen. Als Hilfen zur Umsetzung von Interventionen erhalten die Eltern therapiebezogene Hausaufgaben und Feedback, das auch eine Identifizierung von Interventionsbarrieren beinhaltet.

Grundlage des Elterntrainings ist ein Störungs- und Interventionskonzept, das auf vier Pfeilern basiert. Vier Ansatzpunkte bilden die Grundlage für die Entwicklung der Module (s. Abbildung):

  • Fehlinformationen und dysfunktionale Einstellungen der Eltern können zu vielfältigen alltäglichen Erziehungsproblemen beitragen. Daher ist es wichtig, den Eltern Informationen zu ADHS und anderen externalen Störungen zu geben und dysfunktionale Einstellungen (z.B. das macht mein Kind alles nur absichtlich) zu verändern. Dies kann schon dazu beitragen, die Verhaltensprobleme des Kindes zu vermindern.
  • Mangelnde Ressourcen und belastete Beziehungen zwischen Eltern und Kind sind häufig Folgen der Verhaltensprobleme des Kindes, sie können solche Verhaltensprobleme jedoch auch in einem Teufelskreis immer weiter verstärken. Zudem können belastende Eltern-Kind-Beziehungen aus anderen Familienproblemen erwachsen. Die Förderung der positiven Eltern-Kind-Beziehungen und die Aktivierung von weiteren familiären Ressourcen und Stärken können daher wichtige Interventionselemente sein, die auch zur Verminderung der Verhaltensprobleme des Kindes beitragen können.
  • Elterliche Probleme und Belastungen ergeben sich häufig nicht nur aus der Verhaltensproblematik des Kindes, sondern können sich aus vielen anderen Quellen speisen, beispielsweise aus eigenen psychischen Problemen der Eltern, aus Partnerschaftsproblemen, anderen familiären Belastungen oder Problemen am Arbeitsplatz. Diese elterlichen Belastungen können die Verhaltensprobleme des Kindes weiter verstärken. Daher kann die Verminderung solcher Belastungen auch eine Verminderung der Verhaltensprobleme des Kindes unterstützen.
  • Konkrete Verhaltensprobleme des Kindes in der Familie können von den Eltern durch die Verbesserung der Erziehungskompetenzen der Eltern, vor allem durch die Verminderung von dysfunktionalem und inkonsistentem Erziehungsverhalten deutlich reduziert werden. Die Ansatzpunkte für diese Interventionen sind individuelle reale Problemsituationen in der Familie.

hiToco® besteht aus insgesamt 5 Modulen mit jeweils mehreren Kapiteln, die sich wiederum aus einzelnen Artikeln zusammensetzen (siehe Abbildung):

Modul 1: Wissenswertes zum Thema ADHS/OPP. Im ersten Modul werden Informationen zu ADHS und oppositionellem sowie regelverletzendem Verhalten gegeben, damit Eltern ein besseres Verständnis für die Probleme ihres Kindes entwickeln können. Zunächst werden die typischen Merkmale von ADHS und oppositionellem Verhalten aufgeführt und weitere Problembereiche benannt, die häufig gemeinsam auftreten. Zusätzlich werden Informationen über mögliche Ursachen und über die weitere Entwicklung der Kinder mit ADHS und/oder oppositionellen Verhaltensproblemen gegeben

Modul 2:Hilfen bei ADHS/OPP. Das zweite Modul ist indiziert, wenn die Eltern über Hilfen mangelhaft informiert oder auch fehlinformiert sind. Die Eltern werden über Möglichkeiten der Diagnostik und Behandlung von ADHS und/oder oppositionellen Verhaltensproblemen informiert. Dabei werden auch die Vor- und Nachteile von Medikation diskutiert. Schließlich wird zusammenfassend dargestellt, wie das Programm den Eltern helfen kann.

Modul 3: Eigene Herausforderungen meistern.Das dritte Modul ist indiziert, wenn Eltern unter zusätzlichen Belastungen leiden, die auch dazu führen können, dass die Verhaltensprobleme des Kindes weiter verstärkt werden. Die Eltern werden angeregt, die Quellen für die eigenen Belastungen zu reflektieren und - wenn möglich - zu vermindern oder mit jenen Belastungen, die sich nicht vermindern lassen, besser umzugehen. Die Eltern werden angeregt, sich über die eigene Zufriedenheit und die eigenen Zeitressourcen bewusst zu werden. Danach werden die Eltern angeleitet, ihren Alltag besser zu strukturieren, zeitliche Engpässe möglichst zu entzerren, Zeit für sich selbst zu finden und auch eigenen Ärger besser zu regulieren sowie auch mögliche Partnerschaftsprobleme oder die besonderen Herausforderungen als Alleinerziehende zu bewältigen.

Modul 4: Stärken aktivieren.Modul 4 ist indiziert, wenn die Eltern-Kind-Beziehung belastet ist und zu einem hohen Anteil aus negativ kontrollierenden Verhaltensweisen besteht und die Wahrnehmung der Verhaltensprobleme des Kindes gegenüber der Wahrnehmung positiver Verhaltensanteile und Eigenschaften des Kindes dominiert. Das Modul hilft den Eltern, ihre eigenen besonderen Stärken und die ihrer Familie herauszuarbeiten und die Beziehung zu ihrem Kind zu stärken. Die Eltern erfahren, wie sie wieder mehr schöne und angenehme Momente mit ihrem Kind erleben und wie sie die Stärken und Interessen ihres Kindes unterstützen und fördern können. Mit diesem Modul soll auch eine gute Basis für das fünfte Modul des Programms gelegt werden, um an der Lösung der konkreten Verhaltensprobleme des Kindes in der Familie mit den Eltern arbeiten zu können.

Modul 5: Verhaltensprobleme lösen.Modul 5 ist das umfangreichste Modul und dient dazu, Verhaltensprobleme des Kindes in der Familie zu vermindern, vor allem durch die Reduktion von inkonsistentem und dysfunktionalem elterlichen Erziehungsverhalten und die Steigerung der Erziehungskompetenzen. Dabei werden die Eltern angeleitet, die konkreten Verhaltensprobleme in umschriebenen familiären Situationen besser zu bewältigen. Dazu stehen insgesamt vier verschiedenen Symptomklassen bzw. Problemsituationen zur Verfügung:

  • Unaufmerksam sein, am Beispiel von Hausaufgabensituationen.
  • Sich nicht organisieren können, am Beispiel von Unordnung im Kinderzimmer.
  • Unruhig und laut sein und damit andere stören, beispielhaft während die Mutter telefoniert.
  • Wütend werden und beim Spiel nicht verlieren können.

Die Eltern wählen jene Symptomatik und Situation aus, die dem Problemverhalten des Kindes am ähnlichsten ist und lernen dann diese Problematik im Familienalltag anhand von sieben Schritten eines Lösungskreises besser zu bewältigen (siehe Abb. ). Die Eltern werden im ersten Schritt angeleitet, das Problem zu analysieren. Im zweiten Schritt lernen sie den Erziehungsteufelskreis für die jeweilige Situation kennen und erfahren, wie sie ihn durchbrechen können. Im dritten Schritt wird versucht, die Problematik durch die Umgestaltung der Situation vornherein zu vermeiden oder zumindest abzumildern. Im nächsten Schritt lernen die Eltern, für die spezifische Verhaltensproblematik wichtige Regeln mit Ihrem Kind aufzustellen und zu besprechen. Danach lernen sie, wie Sie diese Regeln durch wirkungsvolle Aufforderungen in der entsprechenden Situation umsetzen können und wie sie ihr Kind am besten loben können, wenn es diesen Aufforderungen nachkommt. Schließlich werden mit den Eltern angemessene natürliche negative Konsequenzen für die entsprechende Situation erarbeitet und die Eltern lernen, diese Konsequenzen zu setzen, wenn Ihr Kind Regeln nicht einhält. Am Ende wird optional ein Verstärkersystem entworfen, das die Eltern anwenden können, wenn durch die bisherigen Schritte des Lösungskreises keine hinreichenden Verhaltensänderungen erzielt werden konnten. Innerhalb des Moduls wird zu allen vier Symptom- und Situationsklassen anhand von kleinen Videos zunächst beispielhaft eine Problemsituation gezeigt, anschließend werden die einzelnen Lösungsschritte in Texten und Videos modellhaft dargestellt. Dadurch erhalten die Eltern eine klare Vorstellung davon, wie sie die Methoden umsetzen können und worauf dabei besonders zu achten ist.

Die einzelnen Module und Kapitel der Intervention können entsprechend den jeweiligen aufrechterhaltenden Faktoren auf jedes einzelne Kind und jede einzelne Familie individuell abgestimmt werden. Dazu werden die jeweils relevanten Kapitel zu Beginn des Elterntrainings auf der Grundlage eines Steuerungselementes zu einem individuellen Trainingsplan zusammengestellt. Didaktisch werden in den einzelnen Kapiteln folgende Elemente eingesetzt:

  • Texte in Form von kurzen Artikeln mit Fortschrittsbalken
  • Grafiken
  • Animierte Erklärvideos zur Einführung in die Module des Elternprogramms und zur Vermittlung von spezifischen Inhalten (z.B. Störungs- und Interventionskonzept)
  • Modellvideos im Interviewstil, beispielsweise zur Identifikation von und zur Auseinandersetzung mit der konkreten Symptomatik sowie von eigenen familiären Belastungen, Beziehungen und Eigenschaften der Eltern (z.B. Berichte von Eltern über die Beziehung zum Kind, über die Partnerschaft)
  • Modellvideos zur Anleitung von positiven Eltern-Kind-Interaktionen und zur Ressourcenaktivierung (z.B. Positiv-Tagebuch)
  • Modellvideos zu typischen Problemsituationen (z.B. Unaufmerksam sein bei den Hausaufgaben) und Anleitung zur Bewältigung des Problemverhaltens, zur Reduktion von dysfunktionalem Erziehungsverhalten und zur Verbesserung der Erziehungskompetenzen.

Methoden zur Unterstützung der Implementierung von Veränderungen im Verhalten der Eltern im familiären Alltag haben eine besondere Bedeutung, da der Transfer von Veränderungen in den Alltag der Familie eine große Herausforderung darstellt. Hier stellen die Möglichkeiten der Digitalisierung eine besondere Hilfe dar. Zu den Strategien zur Unterstützung der Implementierung von Verhaltensänderungen im familiären Alltag zählen:

  • Die Personalisierung des Trainings, unter anderem durch gezielte Auswahl relevanter Kapitel, durch Anleitungen zur individuellen Adaptation der vorgeschlagenen Interventionen;
  • Planung individueller therapeutischer Aufgaben zur Implementierung von Interventionen;
  • Erinnerungsfunktionen zur Umsetzung von Therapie-Aufgaben und zum Fortführen des Trainings;
  • Monitoring der Therapie-Aufgaben und ihrer Ergebnisse;
  • Personalisiertes Feedback bei der Durchführung der Interventionen, d.h. positive Verstärkung für erfolgreich umgesetzte Interventionen und Hilfen bei Problemen in der Umsetzung von Interventionen, einschließlich der Identifikation von Interventionsbarrieren;
  • Online Unterstützung durch Experten und Expertinnen durch eine Hilfe-Funktion bzw. telefonische Beratung oder durch Unterstützung vor Ort durch den verschreibenden Arzt oder die Ärztin bzw. Psychotherapeuten oder Psychotherapeutinnen.

Anwendungsmöglichkeiten

Eltern können die Applikation weitgehend eigenständig nutzen. Falls sie eine Unterstützung benötigen, wird eine Online- bzw. telefonischen Beratung angeboten. Alternativ wird empfohlen, sich an die verschreibenden Ärzte / Psychotherapeuten zu wenden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass dieses Angebot von den Eltern allerdings relativ wenig genutzt wird, und die meisten Eltern völlig eigenständig mit hiToco® arbeiten können.

hiToco® lässt sich auch im Zusammenspiel mit einer Pharmakotherapie einsetzen, wodurch auch der Forderung nach der Einbettung der Pharmakotherapie in ein multimodales Behandlungskonzept nachgekommen werden kann. Diese Kombination mit hiToco® kann erfolgen:

  • vor Beginn einer Pharmakotherapie zur Psychoedukation zum Störungsbild und zu Hilfsmöglichkeiten sowie zur Veränderung des elterlichen Erziehungsverhaltens in problematischen Familiensituationen, wodurch auch die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Pharmakotherapie vermutlich verbessert werden können;
  • nach der medikamentösen Einstellung, um residuale ADHS-Symptome oder oppositionelle Verhaltensweisen in der Familie weiter zu vermindern.

Zusätzlich ist eine Kombination mit psychotherapeutischen Interventionen möglich, indem:

  • hiToco® mit primär kindzentrierten psychotherapeutischen Interventionen kombiniert und damit eine begleitende Elternarbeit unterstützt wird
  • hiToco® in Elterntrainings integriert wird, wobei einzelne Module von hiToco® von der Therapeutin oder dem Therapeuten ausgewählt und mit den Eltern zusammen bearbeitet werden können. Dies kann vor allem für Eltern hilfreich sein, die mit der Anwendung von hiToco® als Selbsthilfemöglichkeit überfordert sind.

Eine Übersetzung von hiToco® in mehrere Sprachen wird gegenwärtig durchgeführt.

Evaluation
Die Wirksamkeit von hiToco® für Eltern von Kindern mit ADHS wurde in einer randomisierten Kontrollgruppenstudie belegt (Döpfner et al., 2025) werden. Die Studie wurde mit 65 Kindern mit der gesicherten Diagnose einer ADHS und keiner aktuellen intensiven verhaltenstherapeutischen oder pharmakologischen Behandlung über 16 Wochen durchgeführt. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit treatment as usual konnten signifikante Effekte auf die externale Symptomatik des Kindes und die damit einhergehende Funktionsbeeinträchtigung sowie das elterliche Erziehungsverhalten und die elterliche Belastung nachgewiesen werden.

Literatur

Döpfner, M., Dose, C., Katzmann, J., Mokros, L., Scholz, K., Schürmann, S., & Wolff Metternich-Kaizman, T. (2021). Den Alltag meistern mit ADHS. Das Arbeitsbuch für Eltern von Schulkindern. Göttingen: Hogrefe.

Döpfner, M., Görtz-Dorten, A., Häge, A., Handermann, F., Sulprizio, L., Hellmich, M., Vogel, D., Ruhmann, M., Althen, H., Karus, M., & Banaschewski, T. (2025). Efficacy of mobile-based self-directed parent management training for parents of children with attention deficit hyperactivity disorder with or without oppositional defiant disorder - a randomized controlled trial. European Child and Adolescent Psychiatry, 34, 3973 - 3985. doi: 10.1007/s00787-025-02799-2

Döpfner, M., Schürmann, S., & Frölich, J. (2025). Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP). (7. neu ausgestattete Aufl.). Weinheim: Beltz.

Döpfner, M., & Schürmann, S. (2023). Wackelpeter und Trotzkopf. Hilfen für Eltern bei ADHS-Symptomen, hyperkinetischem und oppositionellem Verhalten (6. überarb. Aufl.). Weinheim: Beltz.

Döpfner, M., Wolff Metternich-Kaizman, T., Dose, C., Katzmann, J., Mokros, L., Scholz, K.-K., & Schürmann, S. (2022). Den Alltag meistern mit ADHS. Das Arbeitsbuch für Eltern von Kindergartenkindern. Göttingen: Hogrefe.

Computerprogramm: ScouT
Foto: AKiP
Foto: AKiP

Das Soziale computerunterstützte Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT) umfasst einen Problemlösetest (ScouT-Test) und das eigentliche Therapieprogamm (ScouT-Therapie):

Der Soziale computerunterstützte Problemlösetest (ScouT-Test)

Zielsetzung. Der Soziale Computerunterstützte Verhaltens- und Problemlösetest (ScouT-Test) kann im Rahmen einer störungsspezifischen Diagnostik aggressiven Verhaltens eingesetzt werden, um Verhaltenstendenzen und Problemlöseprozesse in Konfliktsituationen zu erfassen. Mithilfe des ScouT-Tests können die Probleme des Kindes auf kognitiver, emotionaler und Verhaltensebene in konkreten Gleichaltrigensituationen einschließlich ihrer Konsequenzen erfasst und analysiert werden. Diese Exploration kann die weitere Therapieplanung bestimmen, weil damit erstens die für das Kind typischen Konfliktsituationen herausgearbeitet und zweitens weitere Hinweise auf symptomaufrechterhaltende Faktoren gewonnen werden können, die über eine reine Fragebogendiagnostik hinausgehen.

Aufbau. Der ScouT-Test ist Bestandteil des sozialen computerunterstützten Trainings für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT) und basiert auf einem Modell zur sozialen Informationsverarbeitung, das zwischen verschiedenen Phasen unterscheidet, die von der selektiven Wahrnehmung sozialer Hinweisreize bis hin zur Verarbeitung von Handlungskonsequenzen reichen. In diesem Test werden fünf verschiedene soziale Konfliktsituationen von einem Jungen mit Gleichaltrigen per Film vorgegeben. Die Situationen spiegeln typische soziale Konflikte mit Gleichaltrigen wider:

  • Reaktion auf Enttäuschung
  • Reaktion auf verbale Aggression
  • Reaktion auf unwahre Behauptung
  • Reaktion auf körperliche Aggression
  • Reaktion auf Abwertung

Inhaltlich stellen die Situationen folgende Anforderungen an die sozialen Kompetenzen der Kinder:

  • Für das eigene Recht gegenüber einem anderen Gleichaltrigen eintreten und eine Wiedergutmachung durchsetzen können.
  • Sich einer verbalen Abwertung durch einen Gleichaltrigen erwehren können.
  • Sich einer verbalen oder körperlichen Aggression eines Gleichaltrigen erwehren können.
  • Sich für ein Versehen (Beschädigung eines fremden Eigentums) entschuldigen und den Schaden wieder gut machen können.
  • Wünsche angemessen formulieren und soziale Ausgrenzung vermeiden können.

Pro Situation werden drei Reaktionsbereiche erhoben:

  1. Spontanreaktionen/Verhaltenstendenzen über Rollenspieltest und Exploration von spontan auftretenden Kognitionen und Emotionen.
  2. Problemlöseprozesse (Entwicklung von Handlungsalternativen, Handlungsentscheidung, Kompetenzerwartung, Ergebniserwartung).
  3. Kognitive Dynamik (Hinweisinterpretationen, Handlungsziele, Moralakzeptanz, Empathie).

Anwendung. Das Verfahren eignet sich vor allem für Jungen im Alter von 6 bis 12 Jahren, kann aber auch leicht modifiziert bei Mädchen durchgeführt werden. Durch das Videomaterial gelingt es den Kindern gut, sich in die jeweilige soziale Situation hineinzuversetzen.

Durchführung. Das Verfahren führt der Testleiter zusammen mit dem Kind am Computer durch. Die Durchführung des ScouT-Tests mit dem Kind besteht aus drei Teilen, die jeweils in mehrere Schritte untergliedert sind. Im ersten Teil des Tests schaut der Testleiter mit dem Kind die jeweilige konflikthafte Ausgangssituation im Film an. Der Film stoppt automatisch mit der Frage: Was würdest Du machen? An dieser Stelle geht es um die Erfassung der Spontanreaktion des Kindes. Der Testleiter spielt den Film mit Fingerpuppen oder Handpuppen zu Ende. Diese Spontanreaktion des Kindes auf die Situation kann im Diagnostikbogen protokolliert und anhand von vier Grobkategorien (sozial kompetent, sozial unsicher, verbal aggressiv oder körperlich aggressiv) klassifiziert werden.

Im nachfolgenden Schritt können anhand der nachfolgenden Fragen auf dem Bildschirm Kognitionen und Emotionen exploriert werden, welche die Handlung begleiten oder ihr vorausgehen. Die Intensität des Ärgers wird auf dem Bildschirm vom Kind mit Hilfe eines Reglers auf einem von 0 bis 100 reichenden Ärgerthermometer eingestellt. Die Antworten des Kindes können auf dem Diagnostikbogen protokolliert werden. Die Kognitionen können anhand von vier Grobkategorien (sozial kompetent, sozial unsicher, verbal aggressiv oder körperlich aggressiv) klassifiziert werden.

Im zweiten Teil des Tests können die weiteren Problemlöseprozesse pro Situation erfasst und in Teil 2 des Diagnostikbogens protokolliert werden. Vier Komponenten können exploriert und erfasst werden: Entwicklung von Handlungsalternativen, Handlungsentscheidungen und Kompetenz- sowie Erfolgserwartungen für die gewählte Handlungsalternative sowie die vom Kind antizipierten Handlungskonsequenzen. Die Antworten des Kindes können auf dem Diagnostikbogen protokolliert werden. Die Handlungsalternativen können wieder anhand von vier Grobkategorien klassifiziert werden. Zudem wird die Anzahl der Handlungsalternativen, die das Kind benennt, auf dem Diagnostikbogen notiert. Zur Erfassung der Handlungsentscheidung kann dem Kind aus allen Bereichen (sozial kompetent, sozial unsicher, verbal aggressiv oder körperlich aggressiv) eine Handlungsalternative vorgegeben werden. Die Entscheidung des Kindes kann auf dem Diagnostikbogen notiert und klassifiziert werden. Hiernach kann die Kompetenzerwartung für die gewählte Handlungsalternative erfragt und diese auf dem Diagnostikbogen anhand einer vierstufigen Skala klassifiziert werden. Danach kann die vom Kind antizipierte Handlungskonsequenz erhoben werden. Diese antizipierte Handlungskonsequenz kann ebenfalls auf dem Diagnostikbogen protokolliert und danach klassifiziert werden.

Pro Situation können im dritten Teil des Tests weitere kognitive Prozesse erfasst und vertieft und im Diagnostikbogen protokolliert werden. Folgende Prozesse werden in insgesamt 12 Items erfasst:

  1. Hinweisinterpretationen (Unterstellung böswilliger Absicht, Ablehnung, mangelnder Respekt)
  2. Handlungsziele (Rache, Dominanz oder prosoziale Ziele)
  3. Weitere Reaktionen (Aggression, Dominanz, relationale Aggression, Vergebung)
  4. Moralakzeptanz
  5. Empathie

Für jedes Item wird anhand von vierstufigen Antwortskalen beurteilt, wie zutreffend die Beschreibung ist.

Auswertung. Der Test verfügt über Codierungs- und Interpretationshilfen. Ein Reaktionsprofil kann pro Situation und für alle fünf Situationen gebildet werden. Da im Rahmen der Konstruktion der ScouT-Diagnostik sehr viel Wert auf die spezifische Ausgestaltung der Situationen gelegt wurde, ist es nicht sinnvoll, die gewonnenen Informationen durch einen Gesamtwert abzubilden. Möglicherweise können bereits einzelne Situationen mit konsistent auftretendem Antwortverhalten eine ausreichende Information für die Therapieplanung liefern. Das Reaktionsprofil pro Situation auf den jeweiligen Einzelitems bietet die genaueste Information. Über alle fünf Situationen hinweg kann jedoch auch ein Kennwert gebildet werden, der die generelle Tendenz (z.B. zu aggressiven Spontanreaktionen) über alle Konfliktsituationen hinweg erfasst. Die auf dem Diagnostikbogen protokollierten Ergebnisse können auf einen Auswertungsbogen übertragen und zu Skalen aggregiert werden.

Reliabilität und Validität. Die Reliabilität und Validität der Skalen des Tests wurden in zwei Studien sowohl in einer klinischen als auch in Feldstichprobe überprüft (Hellmann, 2018; Mücke 2017). Die internen Konsistenzen der meisten Skalen sind zufriedenstellend. Validitätsanalysen in einer klinischen als auch in einer Feldstichprobe zeigen, dass das Verfahren eine inhaltliche, eine faktorielle, sowie eine konvergente und divergente Validität aufweist Für die Interraterreliabilitäten ergeben sich gute bis exzellente Übereinstimmungen.

Normen und Grenzwerte. Es liegen noch keine Normen vor, allerdings können die Kennwerte (Summe der Items / Anzahl der Items) inhaltlich interpretiert werden, da sie die gleiche Spannweite wie die Items umfassen. Darüber hinaus können die Skalenkennwerte zu den Itemwerten in Beziehung gesetzt werden.

Literatur
Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2016). Soziales computerunterstütztes Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT). Göttingen: Hogrefe.

Hellmann, A. (2018). Sozial-kognitive Informationsverarbeitung und soziales Verhalten in Konfliktsituationen von aggressiv auffälligen Kindern in einem Verhaltens-und Problemlösetest. Dissertation. Universität Köln.

Mücke, A. (2017). Überprüfung der psychometrischen Qualität des Sozialen computerunterstützten Tests für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT) in einer Feldstichprobe. Masterarbeit. Universität Köln.

Das Therapieprogramm: Soziales computerunterstütztes Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT)

Das Soziale computerunterstützte Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT, Görtz-Dorten & Döpfner, 2016) ist ein Problemlöse- und Kompetenztraining, mit dem aggressiv auffällige Kinder neue Lösungen für Gleichaltrigenkonflikte erlernen können. Das Training basiert auf dem Modell der sozialen Informationsverarbeitung, in dem von der Wahrnehmung sozialer Hinweisreize bis hin zu der Verarbeitung von Handlungskonsequenzen zwischen mehreren Phasen differenziert wird und es integriert verschiedene Elemente sozialer Kompetenztrainings, die der Modifikation der störungsaufrechterhaltenden Komponenten aggressiven Verhaltens dienen. Dabei kommen verschiedene Methoden zum Einsatz, beispielsweise Modelldarbietung (anhand von Filmen und durch Rollenspiele des Therapeuten), Rollenspieltechniken und Verhaltensübungen, kognitive Interventionen, Methoden der Verstärkung und Transfertechniken.

ScouT besteht aus einer interaktiven DVD und einem Manual und ist für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren entwickelt worden, die aggressives Verhalten besonders Gleichaltrigen gegenüber zeigen. Anhand von kindgemäßen und attraktiven Materialien sollen die Kinder schrittweise lernen, Konfliktsituationen mit Gleichaltrigen auf der kognitiven, der emotionalen und der Verhaltensebene kompetent zu bewältigen. Somit stehen die Art und Weise, mit der sich Kinder sozialen Situationen nähern und die kognitiven und emotionalen Prozesse, die ihren Interaktionen vorhergehen und sie begleiten, im Mittelpunkt des Programms. ScouT enthält Filmbeispiele, Arbeitsblätter, Erläuterungen und Bearbeitungsvorschläge für Therapeuten und kann sowohl zur Diagnostik als auch zum Training von sozial-kognitiven Problemlöseprozessen, Prozessen der Emotionsregulation und von sozialen Fertigkeiten eingesetzt werden.

Der Hauptinhalt der DVD sind Filme zu fünf verschiedenen Konfliktsituationen, in denen der Hauptakteur auf eine Enttäuschung, auf verbale Aggression, auf eine unwahre Behauptung, auf körperliche Aggression und auf eine Abwertung reagiert. Mit diesen Konfliktsituationen sind die meisten Kinder in dieser oder einer ähnlichen Form gut vertraut. Die Problemsituationen werden aus der Perspektive des Hauptakteuers und seiner Interaktionspartner geschildert. Das Kind soll sich mit der Hauptperson und dessen Problemen identifizieren bzw. auseinandersetzen.

Anschließend an jede Situation stehen vier Lösungsalternativen (sozial kompetent, sozial unsicher, verbal aggressiv, körperlich aggressiv) als mögliche Reaktionen zur Auswahl. Die Kinder können jene Variante auswählen, die am besten beschreibt, wie sie sich an Stelle des Hauptakteuers verhalten und was sie dabei denken oder fühlen würden. Diese Reaktionen können dann jeweils in einem kurzen Film betrachtet werden.

Nach diesem Film können die Kinder dann in weiteren kurzen Filmsequenzen sehen, wie die jeweilige Situation sich weiter entwickelt und welche Konsequenzen das Verhalten des Hauptakteuers nach sich zieht. Innere Dialoge der Hauptfiguren geben dabei jeweils einen Einblick in die Bewertung der Situation (Gedanken) und verdeutlichen die Gefühle aus der Sicht des Hauptakteuers und aus der Perspektive des jeweiligen Interaktionspartners.

Das Programm hilft dem Therapeuten und dem Kind bei der Bearbeitung durch gezielte Explorationsfragen zu den einzelnen Situationen. Mit Hilfe der Identifikationsfigur soll das Kind sich mit dessen Problemen auseinandersetzen. Anhand der Fragen können Problemlösestrategien und -defizite exploriert und im zweiten Schritt modifiziert werden. Hierzu können zusätzlich auch verschiedene Arbeitsblätter verwendet werden, die sich als pdf-Dateien ebenfalls auf der DVD befinden.

Evaluation
Signifikante therapeutische Effekte der Behandlung mit ScouT im Vergleich zu einer Diagnostikphase konnten bezüglich der Reduktion der aggressiven Symptomatik und der problemaufrechterhaltenden Faktoren (Störungen der sozial-kognitiven Inforationsverarbeitung, der Impulskontrolle, der sozialen Fertigkeiten und der sozialen Interaktionen) sowie der Verbesserung prosozialen Verhaltens des Kindes nachgewiesen werden (Görtz-Dorten et al., 2019). In einer randomisierten Kontrollgruppenstudie konnten ebenfalls deutliche spezifische Therapieeffekte der Behandlung mit ScouT im Vergleich zu einer alternativen ressourcenorientierten Intervention nachgewiesen werden (Görtz-Dorten et al., 2022).

Literatur
Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2016). Soziales computerunterstütztes Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT). Göttingen: Hogrefe.

Goertz-Dorten, A., Groth, M., Detering, K., Hellmann, A., Stadler, L., Petri, B. & Doepfner, M. (2019). Efficacy of an individualized computer-assisted social competence training program for children with Oppositional Defiant Disorders/Conduct Disorders. Frontiers in Psychiatry. doi: 10.3389/fpsyt.2019.00682

Goertz-Dorten, A., Dose, C., Hofmann, L., Katzmann, J., Groth, M., Detering, K., Hellmann, A., Stadler, A., Braun, B., Hellmich, M., & Doepfner, M. (2022). Effects of computer-assisted social-skills-training in children with disruptive behavior disorders: A randomized controlled trial. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry 61, 1329-1340. doi: doi.org/10.1016/j.jaac.2022.03.027

Online ADHS-Elterntrainer
Grafik: AKiP
Grafik: AKiP

Der ADHS-Elterntrainer (https://adhs.aok.de/zum-adhs-elterntrainer/) basiert auf dem Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten – THOP (Döpfner et al., 2025) sowie auf dem Selbsthilfebuch „Wackelpeter und Trotzkopf“ (Döpfner & Schürmann, 2023). Seit vielen Jahren hat sich dieses Konzept in der Begleitung von ADHS-Familien in der Praxis bewährt und das Therapieprogramm ist mittlerweile Standardmanual in der psychosozialen Behandlung von ADHS.

In den letzten Jahren wurden bei AKiP Erfahrungen mit telefonisch angeleiteter Selbsthilfe für Eltern von Kindern mit ADHS und anderen expansiven Störungen gesammelt und es wurden mehrere Wirksamkeitsstudien durchgeführt, die belegen, dass dieses Konzept bei der Verbesserung der Erziehungskompetenzen und der Verminderung von expansivem Verhalten effektiv ist (Ise et al., 2015, Kierfeld et al., 2013; Mokros et al., 2015, Döpfner et al., 2021; Dose et al., 2015, Hautmann et al., 2018). Das Online-Programm ist ein weiterer Schritt in der Entwicklung von Methoden, welche die psychologische Versorgung von Kindern mit ADHS und anderen expansiven Störungen verbessern sollen.

Grundlage des Online-Programms ist ein Störungs- und Interventionskonzept, das auf vier Pfeilern basiert. Danach können vier Ansatzpunkte für die Interventionen identifiziert werden:

  • Fehlinformationen und dysfunktionale Einstellungen der Eltern können zu vielfältigen Fehlern in der alltäglichen Erziehung für. Daher ist es wichtig den Eltern Informationen zu ADHS und anderen expansiven Störung zu geben und dysfunktionale Einstellungen (z.B. das macht mein Kind alles nur absichtlich) zu verändern. Dies kann dazu beitragen, die Verhaltensprobleme des Kindes zu vermindern.
  • Belastete Beziehungen zwischen Eltern und Kind sind häufig Folge der Verhaltensprobleme des Kindes, sie verstärken diese jedoch auch in einem Teufelskreis immer weiter. Zudem können belastende Eltern-Kind-Beziehungen aus anderen Familienproblemen erwachsen. Die Stärkung der Eltern-Kind-Beziehungen kann daher ein wichtiger Baustein sein, der auch zur Verminderung der Verhaltensprobleme des Kindes beiträgt.
  • Elterliche Belastungen ergeben sich nicht nur aus der Verhaltensproblematik des Kindes, sondern können sich aus vielen anderen Quellen speisen, z.B. aus eigenen psychischen Problemen (z.B. eigener ADHS, Depression), aus Partnerschaftsproblemen, anderen Familienproblemen, Problemen am Arbeitsplatz. Elterliche Belastungen können die Verhaltensprobleme des Kindes weiter verstärken, Daher kann die Verminderung von elterlichen Belastungen auch eine Verminderung der Verhaltensprobleme des Kindes unterstützen.
  • Konkrete Verhaltensprobleme des Kindes können von den Eltern durch erzieherische Strategien und spezifische Maßnahmen deutlich vermindert werden.

Auf der Grundlage des Störungs- und Interventionskonzeptes sind für den ADHS-Elterntrainer vier Module entwickelt worden.

ADHS – Was ist das? Hier erhalten die Eltern in sechs Bausteinen Informationen über die Merkmale von Kindern mit ADHS und ihre zusätzlichen Probleme, sowie über die Ursachen der Störung. Zudem können sich die Eltern darüber informierten, wie sich die Störung weiter entwickeln kann, welche Behandlungsformen hilfreich sind und welche Rolle die medikamentöse Therapie spielt.

Beziehung zum Kind stärken. Hier erfahren die Eltern in vier Bausteinen, wie Sie die Beziehung zu Ihrem Kind stärken und Ihr Kind wieder mit seinen positiven Seiten wahrnehmen können. Im Einzelnen schätzen die Eltern die eigene Beziehung zum Kind ein, sie arbeiten heraus, was sie an ihrem Kind mögen, sie lernen die Spaß- und Spielzeit kennen und sie erfahren, wie sie ihr Kind weiter stärken können.

Sich selbst nicht vergessen. Um die Belastungen von Eltern zu erkennen und zu vermindern werden sie in fünf Bausteinen angeleitet, ihre eigene Belastung zunächst einzuschätzen, die eigenen Stärken und Schwächen zu identifizieren, den Alltag besser zu planen, Erholungspausen einzulegen und mit besonderen Herausforderungen (z.B. belastende Paarbeziehung, Alleinerziehende, eigene psychische Belastungen) umzugehen.

Verhaltensprobleme lösen. In diesem größten Modul lernen die Eltern wirksame Methoden, um konkrete Problemsituationen mit Ihrem Kind besser zu bewältigen. Diese Methoden werden anhand von sieben typischen Problemsituationen vorgestellt. Zunächst werden Problemsituationen anhand kurzer Filmsequenzen vorgestellt und die Eltern sollen eine für ihre Situation typische Problemsituation auswählen. Anhand jeder dieser Problemsituation werden die Eltern in sieben Schritten angeleitet, die konkrete Problematik besser zu bewältigen. Kurze Videos zeigen den Eltern die Umsetzung dieser konkreten Schritte:

  • Problem erkennen: Was läuft schief?
  • Problem analysieren: Teufelskreis & Strukturen ändern
  • Regeln festlegen
  • Wirkungsvolle Aufforderungen geben
  • Positive Konsequenzen setzen
  • Natürliche negative Konsequenzen setzen
  • Belohnungspläne einsetzen

Der ADHS-Elterntrainer kann von Eltern völlig eigenständig genutzt werden. Er kann jedoch auch in therapeutische Prozesse eingebunden werden.

Evaluation
In zwei Studien werden die Akzeptanz und die Wirksamkeit des ADHS-Elterntrainers und einer modifizierten Fassung untersucht (Döpfner et al., 2019, 2020). In einer groß angelegten Studie wurde die Wirksamkeit von angeleiteter und nicht angeleiteter web-basierter Selbsthilfe für Eltern von Kindern mit ADHS und oder oppositioneller Verhaltensstörung mithilfe des ADHS-Elterntrainers untersucht (Döpfner et al., 2025). Dabei wurden Eltern von mehr als 400 Kindern im Alter von 6-12 Jahren mit externalen Verhaltensauffälligkeiten einer sechsmonatigen web-basierten Selbsthilfe mit oder ohne zusätzlichen telefonischen therapeutischen Support ergänzend zur Routinetherapie oder einer Routinetherapie ohne diese Intervention randomisiert zugewiesen. Im verblindeten klinischen Urteil zu externalen Verhaltensproblemen der Kinder wurde nach sechs Monaten in den beiden Gruppen mit zusätzlicher web-assistierter Selbsthilfe eine stärkere Verminderung dieser Probleme nachgewiesen, die sich auch noch nach 12 Monaten allerdings nur noch in der Gruppe mit der Bearbeitung von mindestens 40% der Module des Programms belegen ließ. Höhere Effekte konnten bei zusätzlicher telefonischer Beratung im Vergleich zu ausschließlich web-basierter Intervention belegt werden.

Literatur
Döpfner, M., Katzmann, J., Hanisch, C., Fegert, J. M., Kölch, M., Ritschel, A., Treier, A.-K., Hellmich, M., Ravens-Sieberer, U., Roessner, V., Banaschewski, T., Görtz-Dorten, A. on behalf of the ADOPT Consortium. (2019). Affective Dysregulation in Childhood - Optimizing Prevention and Treatment: Protocol of three randomized controlled trials in the ADOPT study. BMC Psychiatry 19(1), 264. doi: 10.1186/s12888-019-2239-8

Döpfner, M., Liebermann-Jordanidis, H., Kinnen, C., Hallberg, N., Mokros, L., Benien, N., Mütsch, A., Schürmann, S., Wolf Metternich-Kaizman, T., Hautmann, C., & Dose, C. (2021). Long-term effectiveness of guided self-help for parents of children with ADHD in routine care - an observational study. Journal of Attention Disorders 25, 265-274. doi: doi.org/10.1177/1087054718810797

Döpfner, M., Plück, J., Rosenberger, K. D., Klemp, M. T., Mühlenmeister, J., Wähnke, L., Hellmich, M., Schürmann, S., & Dose, C. (2025). Efficacy of guided and unguided web-assisted self-help for parents of children with attention-deficit/hyperactivity disorder and oppositional defiant disorder: A three-arm randomized controlled trial. Journal of Child Psychology and Psychiatry  66, 1320-1332. doi: 10.1111/jcpp.14153

Döpfner, M., & Schürmann, S. (2023). Wackelpeter und Trotzkopf. Hilfen für Eltern bei ADHS-Symptomen, hyperkinetischem und oppositionellem Verhalten (6. überarb. ed.). Weinheim: Beltz..

Döpfner, M., Schürmann, S. & Frölich, J. (2025). Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP). (7. Aufl.). Weinheim: Beltz.

Döpfner, M., Wähnke, L., Klemp, M.-T., Mühlenmeister, J., Schürmann, S., Hellmich, M., & Plück, J. (2020). Efficacy of web-assisted self-help for parents of children with ADHD (WASH) – A three arm randomized trial under field/routine care conditions in Germany. BMC Psychiatry. doi: https://doi.org/10.1186/s12888-020-2481-0

Hautmann, C., Dose, C., Duda-Kirchhof, K., Greimel, L., Hellmich, M., Imort, S., Katzmann, J., Pinior, J., Scholz, K., Schürmann, S., Wolff Metternich-Kaizman, T., & Döpfner, M. (2018). Behavioral versus nonbehavioral guided self-help for parents of children with externalizing disorders in a randomized controlled trial. Behavior Therapy 49, 951 - 965. doi: https://doi.org/10.1016/j.beth.2018.02.002

Ise, E., Kierfeld, F. & Döpfner, M. (2015). One-year follow-up of guided self-help for parents of preschool children with externalizing behaviour. The Journal of Primary Prevention, 36, 33-40.

Katzmann, J., Hautmann, C., Greimel, L., Imort, S., Pinior, J., Scholz, K., & Döpfner, M. (2017). Behavioral and non-directive guided self-help for parents of children with externalizing behavior:  Mediating mechanism in a head-to-head comparison. Journal of  Abnormal Child Psychology, 45, 719 - 730. doi: 10.1007/s10802-016-0195-z

Kierfeld, F., Ise, E., Hanisch, C., Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2013). Effectiveness of telephone-assisted parent-administered behavioural family Intervention for preschool children with externalizing problem behaviour: A randomized controlled trial. European Child and Adolescent Psychiatry 22, 553-565.

Mokros, L., Benien, N., Mütsch, A., Kinnen, C., Schürmann, S., Wolf Metternich-Kaizman, T., Breuer, D., Hautmann, C., Ravens-Sieberer, U., Klasen, F. & Döpfner, M. (2015). Angeleitete Selbsthilfe für Eltern von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung: Konzept, Inanspruchnahme und Effekte eines bundesweitern Angebotes – eine Beobachtungsstudie. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 43, 275-288.

Online Familiencoach Kinderängste

Der Familiencoach Kinderängste (https://kinderaengste.aok.de) richtet sich an Eltern/Sorgeberechtigte (oder andere Bezugspersonen) von Kindern mit Ängsten, insbesondere sozialen Ängsten, Leistungs- oder Trennungsängsten. Er basiert auf dem Therapieprogramm für Kinder und Jugendliche mit Angst- und Zwangsstörungen – THAZ (Büch & Döpfner, 2021; Suhr-Dachs & Döpfner, 2015). Es werden verhaltenstherapeutische Methoden vermittelt, die sich bei der Angstbewältigung als sehr wirksam erwiesen haben.

Im Rahmen des Familiencoachs werden die Eltern angeleitet, ihr Kind bei der Angstbewältigung zu unterstützen. Die Wissensvermittlung erfolgt über Texte, interaktive Graphiken, Eltern-Übungen, Eltern-Kind-Übungen, Audio-Dateien, Arbeitsblätter oder Experteninterviews in Videoform. Durch den Coach werden die Familien von Beispielfamilien begleitet, die in Textform oder alltagsnahen Videos zeigen, wie sie Interventionen, Übungen umgesetzt haben und entsprechende Erfahrungen und Herausforderungen hierbei schildern.  

Insgesamt besteht der Familiencoach aus fünf Modulen, vier Hauptmodulen und einem Zusatzmodul:  

Modul 1: Wissenswertes

Den Eltern werden umfassende Informationen zu Kinderängsten (auch: was ist „normal“, alterstypisch), deren Entstehung, Verlauf und Bewältigungsmöglichkeiten vermittelt.

Modul 2: Eigene Anteile bearbeiten

Es erfolgt eine Auseinandersetzung mit möglichen elterlichen Anteilen an der Angstentstehung und/oder -aufrechterhaltung – vor allem angstfördernden Gedanken/Erwartungen, überbehütenden Erziehungsverhalten und eigenen Ängsten – sowie die Bearbeitung dieser.

Modul 3: Das Kind stärken

Im Fokus stehen die Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung, Förderung von Selbstvertrauen und Selbstständigkeit des Kindes, das Einüben von Entspannung sowie die Vermittlung und die Einübung von sozialen Kompetenzen und Kompetenzen zur Verbesserung des Lern- und Leistungsverhaltens.

Modul 4: Sich der Angst stellen

Es werden kognitive Methoden zur Angstbewältigung des Kindes vermittelt. Die Familien lernen das Konfrontationsprinzip kennen und werden angeleitet, schrittweise Expositionen umzusetzen.

Zusatzmodul: Mit belastenden Erlebnissen umgehen

Die Eltern erfahren, wie sie ihr Kind im Umgang mit Belastungen stärken können, um Ängste abzubauen oder der Entstehung von übermäßigen Ängsten vorzubeugen.

Literatur

Büch, H., Döpfner, M. & Petermann, U. (2015). Soziale Ängste und Leistungsängste: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie. Göttingen: Hogrefe.

Büch, H., Döpfner, M. & Petermann, U. (2015). Ratgeber Soziale Ängste und Leistungsängste. Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher. Göttingen: Hogrefe.

Büch, H. & Döpfner, M. (2012). Soziale Ängste, Therapieprogramm für Kinder und Ju gendliche mit Angst- und Zwangsstörungen (THAZ), Band 2. Göttingen: Hogrefe.

Steil, R. & Rosner, R. (2008). Posttraumatische Belastungsstörung: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie. Göttingen: Hogrefe.

Suhr-Dachs, L., & Döpfner, M. (2015). Leistungsängste, Therapieprogramm für Kinder und Jugendliche mit Angst- und Zwangsstörungen (THAZ), Band 1 (2. überarb. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

Therapeutisches Online-Coaching und Ferntherapie
Foto: Michael Wodak
Foto: Michael Wodak

Beim therapeutischen Online-Coaching werden die Patienten und/oder ihre Eltern zu Verhaltensänderungen in ihrem natürlichen Umfeld (meist in der Familie) angeleitet. Dazu wird eine audiovisuelle Verbindung über ein sicheres Übertragungssystem online hergestellt.

Therapeutische Erfahrungen und auch erste empirische Evidenzen zur Wirksamkeit von Online-Coaching wurden für Patienten mit Tic-Störungen, mit Zwangsstörungen und mit ADHS gesammelt. Die Patienten werden dabei über online-Coaching angeleitet, Übungen zur Kontrolle von Tic-Störungen (z.B. beim Selbstwahrnehmungstraining und beim Training inkompatibler Reaktionen),  von Zwangshandlungen (Exposition mit Reaktionsmanagement) oder von unaufmerksamem oder impulsivem Verhalten (z.B. bei den Hausaufgaben) im häuslichen Umfeld einzusetzen. Bei Kindern mit ADHS wurden auch die Eltern angeleitet, beispielsweise beim gemeinsamen Essen, hyperaktives oder impulsives Verhalten ihrer Kinder zu kontrollieren.

Coaching-Sitzungen werden in der Regel mehrmals pro Woche durchgeführt. Damit werden die Patienten oder die Eltern unterstützt, Therapieaufgaben im Alltag umzusetzen, womit die Generalisierung von Therapieeffekten aus der Therapiesitzung in den Alltag erleichtert werden soll. Therapiesitzungen im Präsenzformat oder auch im Online-Format als Ferntherapie werden zusätzlich durchgeführt.

Online Coaching ist eine Komponente einer umfassenden Ferntherapie, bei der nahezu alle Therapiekomponenten über eine audiovisuelle Verbindung mit einem sicheren Übertragungssystem durchgeführt werden. Ferntherapien können räumliche, zeitliche und finanzielle Barrieren von Präsenztherapien überwinden und damit zu einer besseren flächendeckenden Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen und möglicherweise auch zu einer Verbesserung von Therapieeffekten beitragen. Dabei können Ferntherapie-Sitzungen mit Präsenztherapie-Sitzungen gemischt werden (blended therapy), wodurch die Vorteile beider Therapieformen miteinander kombiniert werden können.

In Einzelfallstudien zur Wirksamkeit von Online-Coaching bei Patienten mit Tic-Störungen (Viefhaus et al., 2021) und mit Zwangsstörungen (Adam et al., 2023) konnte die Wirksamkeit dieses Ansatzes belegt werden. Die Akzeptanz von Ferntherapien konnte zudem in mehreren Studien belegt werden (Meininger et al., 2022; von Wirth et al., 023, 2024, 2025)

Literatur
Adam, J., Goletz, H., Viefhaus, P., Woitecki, K., & Döpfner, M. (2023). Webcam-based online coaching with children and adolescents with obsessive-compulsive disorders - a single case study. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und  Psychotherapie 51, 207-221. doi: doi.org/10.1024/1422-4917/a000904

Meininger, L., Adam, J., von Wirth, E., Viefhaus, P., Woitecki, K., Walter, D., & Döpfner, M. (2022). Cognitive-behavioral teletherapy for children and adolescents with mental disorders and their families during COVID-19 pandemic: A survey on acceptance and satisfaction. Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health, (16:61). Retrieved from  doi:https://doi.org/10.1186/s13034-022-00494-7

Viefhaus, P., Adam, J., Goletz, H., Woitecki, K. & Döpfner, M. (2021). Implementation and evaluation of a therapeutic online-coaching using habit reversal training in children with Tourette's disorder  – a pilot study. Frontiers in Psychology, 12:780539. doi: 10.3389/fpsyg.2021.780539

von Wirth, E., Meininger, L., Adam, J., Woitecki, K., Treier, A.-K., & Döpfner, M. (2024). Satisfaction with videoconference-delivered CBT provided as part of a blended treatment approach for children and adolescents with mental disorders and their families during the COVID-19 pandemic: A follow-up survey among caregivers and therapists. Journal of Telemedicine and Telecare, 2024(30), 1543-1554. doi: DOI: 10.1177/1357633X231157103.

von Wirth, E., Willems, S., Döpfner, M., & Kohl, L. T. (2023). Effectiveness of videoconference-delivered psychotherapy for children and adolescents, and their parents: A meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Telemedicine and Telecare (online first). doi: 10.1177/1357633X231199784.

von Wirth, E., Willems, S., Simonsmeier, B. A., & Döpfner, M. (2025). Preference, dropout, and clinical outcomes in face-to-face versus video-based cognitive behavior therapy for children and adolescents: Evidence from a Partially Randomized Preference trial (PRPT). Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 54, 211–223. doi: https://doi.org/10.1026/1616-3443/a000836.

Digitale Therapie-Rückmeldesysteme

Durch digitale therapeutische Rückmeldesysteme wird der Verlauf von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapien monitoriert und die Verlaufsbefunde werden an die Therapeutinnen und Therapeuten zurückgemeldet. Über solche Rückmeldesysteme sollen die Prozess- und die Ergebnisqualität von Psychotherapien bei Kindern und Jugendlichen gesteigert werden. Sie dienen als Instrumente zur Anpassung der Behandlungsplanung sowie der frühzeitigen Identifikation von Risikopatienten. Therapeuten können die Befunde in den therapeutischen Prozess einbringen und mit den Familien besprechen, um die nächsten therapeutischen Schritte gemeinsam festzulegen (partizipative Entscheidungsfindung) sowie die Behandlungsadhärenz und die Behandlungsmotivation der Familien fördern. Letztliches Ziel eines therapeutischen Rückmeldesystems ist es, das Behandlungsergebnis in Bezug auf die Symptomatik, das Funktionsniveau, die Lebensqualität, die Therapiezufriedenheit zu verbessern und die Therapieabbruchraten zu reduzieren.

Primäres Ziel der Pilotstudie OPTIE (Optimierung des Therapieerfolgs durch Prozessfeedback in der Verhaltenstherapie von Kindern und Jugendlichen mit internalen und externalen Störungen) Forschungsgruppe DIAMON | AKiP Uniklinik Köln ist die Wirksamkeitsüberprüfung eines therapeutischen Rückmeldesystems (Verlaufsmonitoring und -feedback) für den Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Digitales Therapeuten-Training
Bild: AKiP
Bild: AKiP

Das digitale Therapeuten-Training eTraining-KJP dient der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Psychologischen Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und –psychotherapeutinnen in der Anwendung verhaltenstherapeutischer Behandlungsmanuale, die bei AKiP entwickelt wurden.

Die Plattform (https://etraining-kjp.de) gibt eine Übersicht über die einzelnen Therapieprogramme und deren Bausteine. In Therapievideos wird die Umsetzung einzelner Bausteine demonstriert und anhand von Patientenakten werden die individualisierte modulare Therapieplanung und der Behandlungsverlauf anhand von Beispielfällen beschrieben.

Aktuell stehen auf diese Weise folgende Therapieprogramme zur Verfügung:

  • Therapieprogramm für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV)
  • Soziales computerunterstütztes Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT)
  • Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP)

Die hohe Zufriedenheit von Nutzern der Plattform konnte in einer Studie bestätigt werden (Thelen et al., 2020).

Literatur
Thelen, L., Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2020). Digitales Psychotherapie-Training: Chancen, Grenzen und Akzeptanz. Psychotherapeutenjournal, 19, 341-349.