Forschungsgruppe ASEP

Entwicklung und Evaluation von Angeleiteten Selbsthilfe Programmen für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Expansivem Problemverhalten

Expansive Störungen (Oppositionelle Verhaltensstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörungen) sind im Kindes- und Jugendalter sehr weit verbreitet. Eltern erhalten häufig keine angemessene Hilfe, weil die Versorgungskapazitäten zu gering sind. Daher ist die Entwicklung von Alternativen zu individuellen Beratungen und Behandlungen von besonderer Bedeutung. Selbsthilfeangebote für Eltern von expansiven Kindern auf der Grundlage von Selbsthilfe-Manualen oder internetgestützte Selbsthilfeprogramme können eine wichtige Ergänzung individueller Beratung und Therapie darstellen. Ziel des Projektes ist es, die Möglichkeiten angeleiteter Eltern-Selbsthilfe anhand von Elternratgebern und anhand von internetbasierten Selbsthilfeprogrammen zu erkunden und die Wirksamkeit solcher Interventionen bei Kindern mit expansivem Problemverhalten zu erfassen. Grundlage dieser Interventionen ist der Elternratgeber Wackelpeter & Trotzkopf (Wackelpeter & Trotzkopf, Döpfner et al., 2018), aus dem einzelne Arbeitshefte für Eltern entwickelt wurden (Döpfner et al., 2010, 2011).

In mehreren Studien konnte die Wirksamkeit der telefongestützten Selbsthilfe bei Kindern mit ADHS und anderen expansiven Störungen sowohl in randomisierten Kontrollgruppenstudien als auch in Anwendungsbeobachtungen belegt werden (Kierfeld et al., 2006, 2013; Mokros et al., 2015; Döpfner et al., 2018). Auch die Stabilität der Interventionseffekte ließ sich nachweisen (Döpfner et al., 2018; Ise et al., 2014). In einer weiteren RCT konnte bei Kindern mit ADHS, die bereits mit Methylphenidat behandelt werden, ein zusätzlicher Effekt der angeleiteten Selbsthilfe sowohl hinsichtlich der funktionellen Beeinträchtigung als auch der expansiven Symptomatik belegt werden (Dose et al., 2017). Außerdem konnten bei einem Vergleich von angeleiteter Selbsthilfe auf verhaltenstherapeutischer und auf humanistischer Basis lediglich ein leichter Vorteil der verhaltenstherapeutisch basierten Intervention belegt werden (Hautmann et al., 2018). In dieser Studie wurden auch Mediatoren des Therapieerfolges untersucht (Katzmann et al., 2016). 

Finanzierung

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • Ausbildungsinstitut für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Uniklinik Köln (AKiP)
  • Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Köln 
  • Eli Lilly Deutschland 
  • Shire Deutschland
  • AOK Bundesverband
  • Innovationsfond der Krankenkassen
Publikationen

ADHS-Elterntrainer

Arbeitsgruppe des Forschungsprojektes angeleitete Selbsthilfe. (2011). Konfliktbewältigung ohne Niederlage auf der Grundlage der Familienkonferenz nach Thomas Gordon. Köln: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Köln.

Döpfner, M. & Schürmann, S. (2018). Wackelpeter und Trotzkopf. Hilfen für Eltern bei ADHS Symptomen, hyperkinetischem und oppositionellem Verhalten (5. überarb. Aufl.). Weinheim: Beltz.

Döpfner, M., & Plück, J. (2017). Evaluation eines web-assistierten Selbsthilfe-Trainings für Eltern von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (WASH). In V. E. Amelung, S. Eble, H. Hildebrandt, F. Knieps, R. Lägel, S. Ozegowski, R.-U. Schlenker & R. Sjuts (Eds.), Innovationsfonds. Impulse für das deutsche Gesundheitssystem (pp. 362-367). Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.

Döpfner, M., Hautmann, C., Imort, S., Katzmann, J., Krins, J., Scholz, K., Schürmann, S. & Wolff Metternich-Kaizman, T. (2011). FLOH – Familien mit oppositionellen und hyperaktiven Kindern. Ein angeleitetes Selbsthilfeprogramm. Köln: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Köln.

Döpfner, M., Katzmann, J., Mokros, L., Schürmann, S., Scholz, K., Dose, C., & Wolff Metternich-Kaizman, T. (2010). ADHS-Team: Angeleitetes Selbsthilfeprogramm für Eltern von Kindern mit ADHS. Köln: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Köln.

Döpfner, M., Liebermann-Jordanidis, H., Kinnen, C., Hallberg, N., Mokros, L., Benien, N., Mütsch, A., Schürmann, S., Wolf Metternich-Kaizman, T., Hautmann, C., & Dose, C. (2018). Long-term effectiveness of guided self-help for parents of children with ADHD in routine care - an observational study. Journal of Attention Disorders (epub). doi: https://doi.org/10.1177/1087054718810797

Döpfner, M., Schürmann, S., & Lehmkuhl, G. (2004). Copilulhiperactiv si incapatanat (Wackelpeter und Trotzkopf rumänische Übersetzung). Cluj-Napoca: Romanian Psychological Testing Services.

Döpfner, M., Schürmann, S., & Lehmkuhl, G. (2010). Wackelpeter und Trotzkopf (korean translation). Seoul: Hakjisa Publisher.

Dose, C., Hautmann, C., & Döpfner, M. (2016). Functional impairment in children with externalizing behavior problems: Psychometric properties of the Weiss Functional Impairment Rating Scale-parent report in a German clinical sample. Journal of Attention Disorders (epub). doi: 10.1177/1087054716661234

Dose, C., Hautmann, C., Buerger, M., Schuermann, S., Woitecki, K. & Doepfner, M. (2017). Telephone-assisted self-help for parents of children with attention-deficit/hyperactivity disorder who have residual functional impairment despite methylphenidate treatment: a randomized controlled trial. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 58, 682-690. doi: 10.1111/jcpp.12661

Hautmann, C., Dose, C., Duda-Kirchhof, K., Greimel, L., Hellmich, M., Imort, S., Katzmann, J., Pinior, J., Scholz, K., Schürmann, S., Wolff Metternich-Kaizman, T., & Döpfner, M. (2018). Behavioral versus nonbehavioral guided self-help for parents of children with externalizing disorders in a randomized controlled trial. Behavior Therapy 49, 951 - 965. doi: https://doi.org/10.1016/j.beth.2018.02.002

Ise, E., Kierfeld, F. & Döpfner, M. (2014). One-year follow-up of guided self-help for parents of preschool children with externalizing behaviour. The Journal of Primary Prevention (online first). doi: 10.1007/s10935-014-0374-z

Katzmann, J., Hautmann, C., Greimel, L., Imort, S., Pinior, J., Scholz, K., & Döpfner, M. (2015). Dysfunktionale Attributionen von Eltern und ihre Bedeutung für ihr Erziehungsverhalten und für expansives Problemverhalten von Kindern – eine psychometrische Überprüfung und Anwendung der deutschen Fassung des Fragebogens zu dysfunktionalen elterlichen Attributionen (FDEA). Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 44, 266-274.

Katzmann, J., Hautmann, C., Greimel, L., Imort, S., Pinior, J., Scholz, K., & Döpfner, M. (2016). Behavioral and non-directive guided self-help for parents of children with externalizing behavior: Mediating mechanism in a head-to-head comparison. Journal of Abnormal Child Psychology (epub ahead of print). doi: 10.1007/s10802-016-0195-z.

Kierfeld, F. & Döpfner, M. (2006). Bibliotherapie als Behandlungsmöglichkeit bei Kindern mit externalen Verhaltensstörungen. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 34, 377-386.

Kierfeld, F., Ise, E., Hanisch, C., Görtz-Dorten, A. & Döpfner, M. (2013). Effectiveness of telephone-assisted parent-administered behavioural family Intervention for preschool children with externalizing problem behaviour: A randomized controlled trial. European Child and Adolescent Psychiatry, 22, 553-565. doi: 10.1007/s00787-013-0397-7

Kinnen, C., Rademacher, C. & Döpfner, M. (2015). Wackelpeter & Trotzkopf in der Pubertät. Wie Eltern und Jugendliche Konflikte gemeinsam lösen können. Weinheim: Beltz.

Kinnen, C., Rademacher, C. & Döpfner, M. (Hrsg.). (2011). ADHS – Teens: Angeleitetes Selbsthilfeprogramm für Jugendliche mit ADHS und ihre Eltern. Elternhefte 1 – 8. Köln: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Köln.

Mokros, L., Benien, N., Mütsch, A., Kinnen, C., Schürmann, S., Wolf Metternich-Kaizman, T., Breuer, D., Hautmann, C., Ravens-Sieberer, U., Klasen, F. & Döpfner, M. (2015). Angeleitete Selbsthilfe für Eltern von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung: Konzept, Inanspruchnahme und Effekte eines bundesweitern Angebotes – eine Beobachtungsstudie. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 43, 275-288. doi: 10.1024/1422-4917/a000348

Schürmann, S., & Döpfner, M. (2018). ADHS-Elterntrainer. Ein Onlinetraining zur Selbsthilfe für Eltern von Kindern mit ADHS und oppositionellem Verhalten. Pädiatrische Praxis, 90, 407–416.

Dissertationen

Benien, N. (2014). Adhärenz und Zufriedenheit der Eltern von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) in einem angeleiteten Selbsthilfeprogramm. Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln

Kierfeld, F. (2005). Evaluation eines angeleiteten Selbsthilfeprogramms (Bibliotherapie) bei Eltern von Kindern mit expansivem Problemverhalten. Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln.

Mokros, L. (2014). Auswirkungen angeleiteter Selbsthilfe für Eltern von Kindern mit ADHS auf die  Symptomstärke externalen und individuellen Problemverhaltens. Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln.

Scholz, K. (2017). Die Bedeutung mütterlicher und väterlicher Expressed Emotion in Familien von Kindern mit expansivem Problemverhalten. Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln (Dr. rer. medic.)

Aktuelle Teilprojekte

ASEP-4: Angeleitete Selbsthilfe für Eltern von Jugendlichen mit ADHS

ADHS-Team-Jugendliche: Entwicklung und Evaluation eines angeleiteten Selbsthilfeprogramms für Eltern von Jugendlichen mit ADHS 

Forschungsteam
Claudia Kinnen (koordinierend), Christiane Rademacher, Christina Dose, Tina Roschmann & Manfred Döpfner 

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2020

Zielsetzung
Ziel des Projektes ist es, ein angeleitetes Selbsthilfeprogramm für Eltern von Jugendlichen mit ADHS zu entwickeln und zu prüfen. Sowohl schriftliche Materialien als auch ein Konzept für telefonische Beratung wurden entwickelt. Bei dem evaluierten Programm handelt es sich um ein angeleitetes Selbsthilfeprogramm für Eltern von Jugendlichen mit oppositionellen und hyperkinetischen Verhaltensproblemen (Kinnen et al., 2015), aus dem einzelne Arbeitshefte entwickelt wurden (Kinnen et al., 2011). Die Pilot-Studie soll prüfen, ob bei Jugendlichen mit ADHS eine angeleitete Selbsthilfe der Eltern erfolgreich ist.

Methoden
In Anlehnung an das Selbsthilfeprogramm für Kinder und das Therapieprogramm für Jugendliche mit Selbstwert-, Leistungs- und Beziehungsstörungen (SELBST) wurden 8 Hefte für Eltern von Jugendlichen entwickelt, die über eine Gesamtdauer von einem Jahr an die Eltern versandt werden (Kinnen et al., 2011). In der Interventionsphase (ca. 4 Monate) erhalten die Eltern alle 2 Wochen ein Heft und begleitend einen Anruf, um die Heftinhalte zu besprechen. In der Boosterphase (ca. 6 Monate) erhalten die Eltern alle 4-8 Wochen einen Anruf zur Auffrischung der besprochenen Themen.

Zur Messung der Effekte werden Fragebögen zu ADHS-Symptomen und Symptomen einer oppositionellen Verhaltensstörung (DISYPS: FBB-ADHS / FBB-SSV), zu komorbiden Verhaltensauffälligkeiten (SDQ) und zur Lebensqualität (KINDL), wie auch zur elterlichen Selbstwirksamkeitserwartung (FSW) im Rahmen einer Prä-Post Messung erhoben. Begleitend wird eine Problemliste über ca. 12 Messzeitpunkte eingesetzt. Angestrebt wurde eine Stichprobengröße von N=40.

Ergebnisse
Insgesamt wurden 76 Patienten in die Studie eingeschlossen und haben die Einschlusskriterien erfüllt. 10 Patienten lehnten die Teilnahme am Projekt nach einem Vorgespräch ab. Eine Eingangsmessung konnte an 66 Teilnehmern durchgeführt werden. Zu einer abschließenden Messung am Projektende konnten noch 43 Teilnehmer, welche das Programm beendet haben, befragt werden. Während des Projektes brachen 23 Familien die Teilnahme aus zeitlichen, organisatorischen und gesundheitlichen Gründen ab. Erste Prä-Post-analysen wurden bei 42 Beender-Familien durchgeführt. Die Programmbeender zeigten im Vergleich zu klinischen Kontrollgruppen eine hohe ADHS-Symptomatik. Die Ergebnisse weisen auf signifikante Verbesserungen der ADHS-spezifischen und oppositionell-aggressiven Symptomatik bei mittleren bis großen Effektstärken hin. Es zeigen sich signifikante Verbesserungen mit mittleren Effektstärken im Bereich der emotionalen Probleme. Eine signifikante Verbesserung der Selbstwirksamkeit der Eltern bezogen auf Erziehung (d= .50) und eine Verbesserung der empfundenen Erziehungskompetenz (d= .53) konnte gemessen werden. Auf den Fragebögen zur Prä-Messung werden keine Unterschiede zwischen Abbrechern (N=23) und Beendern (N= 43) in der ADHS-spezifischen Symptomatik signifikant. Es lassen sich zur Prä-Messung allerdings signifikant schlechtere Bewertungen in der komorbiden Symptomatik, besonders bei Gleichaltrigenproblemen und in der elterlichen Selbstwirksamkeitserwartung bezüglich Erziehung erkennen. 

ASEP-7: Web-assistierte Selbsthilfe für Eltern von Kindern mit ADHS (WASH)

Entwicklung und Evaluation eines web-assistierten Selbsthilfeprogramms für Eltern von Kindern mit ADHS (WASH)

Forschungsteam
Manfred Döpfner (federführend), Christina Dose, Marie-Theres Klemp, Judith Mühlenmeister, Julia Plück (koordinierend), Stephanie Schürmann, Laura Wähnke

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2021

Zielsetzung
Ziel des Projektes ist es, in der ersten Phase ein web-basiertes Selbsthilfeprogramm (ADHS Elterntrainer) zu entwickeln und zu erproben. In einer zweiten Phase wird die Wirksamkeit und Akzeptanz dieses Programmes in einer randomisierten Kontrollgruppenstudie untersucht.

Methoden
In Kooperation mit einer auf die Entwicklung von Online-Programmen spezialisierten Firma wurden die Module des Programms entwickelt. Das Programm soll Eltern von Kindern im Alter von etwa 4 bis 12 Jahren, die Möglichkeit geben, 

  • sich über ADHS zu informieren,
  • eigene Ressourcen zu identifizieren und zu stärken,
  • die Beziehung zu ihrem Kind zu stärken und
  • konkrete Verhaltensprobleme im Alltag in der Familie zu lösen.

In den einzelnen Modulen werden videogestützt viele konkrete Beispiele zur Umsetzung der vorgeschlagenen Interventionen in den Alltag gegeben. Betroffene Eltern werden an der Entwicklung der einzelnen Module beteiligt.

In der randomisierten Kontrollgruppenstudie, die bundesweit durchgeführt wird, wird die Wirksamkeit webassistierter Selbsthilfe (WASH) durch den Vergleich von (1) Routinetherapie (TAU), (2) webassistierter Selbsthilfe (WASH+TAU) und (3) webassistierter Selbsthilfe + Telefonsupport (WASH+SUPPORT+TAU) überprüft. Zudem wird in einer (nicht randomisierten) Kontrollgruppenanalyse die Wirksamkeit von webassistierter Selbsthilfe mit Verhaltenstherapie im direkten Kontakt untersucht.

Ergebnisse 
Das Programm wurde im Sommer 2016 fertig gestellt und ist online verfügbar (www.adhs-elterntrainer.de). Der Studienplan wurde bereits beschrieben (Döpfner & Plück, 2017). Die Datenerhebung hat im April 2017 begonnen. 

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