Forschungsgruppe SINES

Schulbasierte Interventionen bei Expansiven Störungen

Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) führen im Kontext von Schule und Ganztagesbetreuung in der Schule bei den Betroffenen zu erheblichen Funktionseinschränkungen und Belastungen und auch das schulische Umfeld (Lehrer, Betreuer, Mitschüler) ist dadurch meist deutlich belastet. Im Zuge der Veränderungen in der Schullandschaft (Ganztagsbetreuung, Inklusion) wächst die Bedeutung dieses Problems.

Ziel der Forschungsgruppe SINES ist es, Interventionen zu entwickeln und zu evaluieren, die unmittelbar am schulischen Kontext ansetzen und zur Verminderung der Problematik sowie der damit verbundenen Funktionseinschränkungen beitragen können. In einer ersten Studie wurde eine Fortbildungsmaßnahme für pädagogische Mitarbeiter offener Ganztagsschulen zur Förderung eines konzentrierten Arbeitsverhaltens in der Lernzeit entwickelt und evaluiert. Dabei ließen sich in einzelnen Bereichen günstige Veränderungen im Verlauf der Intervention belegen (Hanisch et al., 2014, 2017; Richard, 2017)

Finanzierung

  • Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Köln 
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Publikationen

Döpfner, M., & Frölich, J. (2007). ADHS und Schule. Kinderärztliche Praxis, 77, Sonderheft ADHS, 4. 

Döpfner, M., Wolff Metternich, T., & Schürmann, S. (2007). Konfliktfeld Schule: Kooperation mit der Schule in der Diagnostik und Therapie der ADHS – Notwendigkeiten und Herausforderungen. Kinderärztliche Praxis, 77, Sonderheft ADHS, 8-13. 

Eichelberger, I., Hanisch, C. & Döpfner, M. (2015). How effective is teacher coaching in reducing externalizing behavior problems in primary school children. European Child & Adolescent Psychiatry, 24 (Suppl. 1), S18.

Frölich, J., Breuer, D., Döpfner, M., & Amonn, F. (2012). Effects of a teacher training programme on classroom behaviour of children with symptoms of Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Oppositional Defiant Disorder: a community based approach. International Journal of Education, 27(3), 76-87.

Frölich, J., Döpfner, M., & Banaschewski, T. (2014). ADHS in Schule und Unterricht. Pädagogisch-didaktische Ansätze im Rahmen des multimodalen Behandlungskonzepts. Stuttgart: Kohlhammer.

Frölich, J., Döpfner, M., Biegert, H., & Lehmkuhl, G. (2002). Praxis des pädagogischen Umgangs von Lehrern mit hyperkinetisch-aufmerksamkeitsgestörten Kindern im Schulunterricht. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 51, 494-506. 

Hanisch, C. & Döpfner, M. (2014). Aufmerksamkeit macht Schule: Entwicklung und Evaluation einer Fortbildungsmaßnahme für pädagogische Mitarbeiter offener Ganztagsschulen zur Förderung einen konzentrierten Arbeitsverhaltens während der Lernzeit. In Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.), Bildungsforschung 2020 - Herausforderungen und Perspektiven (S. 235- 243). Bonn: BMBF (http://www.bmbf.de/pub/BMBF-Bildungsforschung_Band_40.pdf).

Hanisch, C., Eichelberger, I., Richard, S., & Döpfner, M. (2017). Interventionen bei expansivem Problemverhalten in der Grundschule. In C. Gräsel & K. Trempler (Eds.), Entwicklung von Professionalität pädagogischen Personals. Interdisziplinäre Betrachtungen, Befunde und Perspektiven (pp. 175-194). Wiesbaden: Springer VS.

Hanisch, C., Richard, S., Eichelberger, I., Greimel, L., & Döpfner, M. (2018). Schulbasiertes Coaching bei Kindern mit expansivem Problemverhalten (SCEP). Göttingen: Hogrefe.

Richard, S., Eichelberger, I., Döpfner, M. & Hanisch, C. (2015). Schulbasierte Interventionen bei ADHS und subklinische Ausprägungen von Aufmerksamkeitsstörungen. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 29, 5-19.

Dissertationen & Masterarbeiten

Sommer, M. Wirksamkeit und Klinische Signifikanz des Basistrainings im KIDS-Programm. Masterarbeit, Humanwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln, Master Psychologie.

Richard, S. (2017). Schulinterventionen bei der Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und deren subklinischen Erscheinungsformen. Dissertation, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln

Aktuelle Teilprojekte

SINES-2: Entwicklung und Evaluation eines Lehrercoachings bei expansivem Problemverhalten

Prävention und Intervention bei expansivem Problemverhalten in der Schule: Entwicklung und Evaluation eines Lehrercoachings

Forschungsteam
Ilka Eichelbeger (koordinierend), Charlotte Hanisch & Manfred Döpfner (beide federführend), Johanna Mayr, Lisa Greimel, Stefanie Richard, Silke Schiffhauer (ausgeschieden)

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2020

Zielsetzung
Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens wird eine Weiterbildungsmaßnahme für Grundschullehrer entwickelt und evaluiert. Zunächst wird dem gesamten Lehrer- und Pädagogenkollegium einer Schule eine eintägige Fortbildung zu Klassifikation, Ursachen und generellen Interventionen bei expansiven Verhaltensproblemen angeboten. Ziel ist ein gemeinsames theoretisches und methodisches Grundverständnis und der Austausch über strukturelle Rahmenbedingungen im Umgang mit expansivem Problemverhalten an der jeweiligen Schule. Im Anschluss hieran können einzelne Lehrer oder Lehrer- bzw. Pädagogenteams an einem intensiveren Coaching teilnehmen, bei dem in individualisierter, fallbezogener Arbeit an einem Zielkind evidenzbasierte Strategien zum Umgang mit expansivem Verhalten erlernt werden. Ziel ist hier, die Erziehungskompetenz und Selbstwirksamkeitserfahrung auf Seiten des Lehrers zu steigern und darüber die wahrgenommene Belastung zu verringern. Auf der Ebene des Kindes soll hierüber Problemverhalten ab- und prosoziales Verhalten aufgebaut werden.

Methoden
Insgesamt erhielten 313 Schulen in NRW (Köln n= 149, Düsseldorf n= 88, Rhein-Kreis-Neuss n= 76) über Schulämter und das Kompetenzteam Information zu einer möglichen Teilnahme am Forschungsprojekt. Durch Infoveranstaltungen an 18 interessierten Schulen konnten insgesamt 15 Schulen zur Teilnahme an der Lehrerfortbildung und 61 Lehrpersonen für eine Teilnahme am Einzelcoaching gewonnen werden. Von den 61 Lehrpersonen entschieden sich 32 Lehrpersonen dazu, im Team teilzunehmen. Für eine  Frühgruppe ergab sich eine Stichprobe von N = 8 Schulen mit N = 34 Lehrpersonen (davon N = 14 Lehrerteams), für die Wartekontrollgruppe ergab sich eine Stichprobe von N = 7 Schulen mit N = 27 Lehrpersonen (davon N = 18 Lehrerteams).

Eine Überprüfung der Effekte des Coachings erfolgt in einem Wartekontrollgruppendesign mit Hilfe von Fragebögen, Verhaltensbeobachtungen und „Klinischen Interviews“. Zusätzlich erfolgte während der Interventionsphase eine kontinuierliche Verlaufsdiagnostik über eine nicht standardisierte individuelle Problemliste. Diese wurde in der ersten Coachingsitzung erstellt und umfasst zwei selbst ausgewählte, für die Lehrkraft besonders belastende Problemverhaltensweisen des Zielkindes. Diese wurde im Verlauf des Trainings insgesamt sechsmal, bezüglich ihrer Auftretenshäufigkeit und ihrer Problemintensität in der vorangegangenen Woche, beurteilt wurden. 

Ergebnisse
Das Schulbasierte Coaching bei Kindern mit expansivem Problemverhalten (SCEP) ist publiziert (Hanisch et al., 2018). 

SCEP consists of a one-day training course and fortnightly one-to-one or team-coaching sessions. We analyzed the effects of SCEP in a within-subject control group design (N = 60), with student externalizing problem behavior during class as the primary outcome measure. SCEP was found to reduce attention problems and rule-breaking behavior during lessons, with small to medium effect sizes (d = 0.42-0.6). After the intervention, teachers reported changes in their use of praise and felt more confident managing the class (d = 0.58). The results of SCEP are discussed in light of multi-tiered preventive approaches that suggest extensive individualized interventions based on functional behavior analysis for children with severe problem behavior.

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