Forschungsgruppe DITHO

Digitale Therapie-Optimierung durch Smartphone-Apps in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

In diesem Projekt sollen Smartphone-Apps zur Optimierung von Therapieprozessen bei verschiedenen Störungsbildern entwickelt und ihr Einsatz soll erprobt und evaluiert werden. Diese Apps können sich an Kinder und Jugendliche sowie Eltern wenden und vielfältige Funktionen, wie beispielsweise Psychoedukations- oder Interventionsplanungs-, Erinnerungs-, Tagebuch- oder Verstärkungsfunktionen enthalten.

Finanzierung

  • Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Köln 
  • Ausbildungsinstitut für Kinder- Jugendlichenpsychotherapie an der Uniklinik Köln (AKiP)
Publikationen

Döpfner, M. (2016). ADHS-Kids: Eltern helfen ihren hyperaktiven und trotzigen Kindern. App. Retrieved from
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.elterncoach&hl=de;
https://itunes.apple.com/de/app/adhs-kids-eltern-helfen-hyperaktiven/id1148603156?mt=8

Görtz-Dorten, A., & Döpfner, M. (2019). App-unterstützte Therapie-Arbeit für Kinder (AUTHARK). Version 1.0, von www.authark-app.de

Aktuelle Teilprojekte

DITHO-1: Entwicklung - Smartphone-App für Eltern von Kindern mit externalen Verhaltensproblemen (ADHS-Kids)

Digitale Therapie-Optimierung durch eine Smartphone-App für Eltern von Kindern mit externalen Verhaltensproblemen

Forschungsteam
Manfred Döpfner (koordinierend), Claudia Kinnen, Stephanie Schürmann, Elena von Wirth 

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2021

Zielsetzung
Im Rahmen des Selbsthilfeprogramms Wackelpeter und Trotzkopf (Döpfner et al., 2017) ist die Smartphone-App ADHS-Kids (Döpfner et al., 2016) für Eltern von Kindern mit ADHS-Symptomen und oppositionellen Verhaltensproblemen entwickelt worden. Diese App umfasst mehrere Funktionen: Informationen zu ADHS (ADHS-Fakten), Informationen zu Erziehungs- und Interventionsmethoden (Methoden), konkrete Hilfestellung zur Planung einer Intervention (Umsetzung) und eine Tagebuchfunktion (Tagebuch). Eine digitale Therapie-Optimierung durch diese Smartphone-App für Eltern von Kindern mit externalen Verhaltensproblemen soll erprobt und evaluiert werden.

Methoden
In der ersten Projektphase soll die praktische Anwendung der App zusammen mit Eltern von Kindern mit expansiven Verhaltensproblemen erprobt werden. Schließlich soll anhand eines Kontrollgruppen-Designs geprüft werden, ob durch den Einsatz dieser App klassische face-to-face-Therapie verbessert werden kann. Die Verbesserung kann sich über (1) die häufigere und erfolgreichere Umsetzung von Therapieaufgaben durch die Eltern im natürlichen Umfeld, (2) durch eine Verringerung der Zahl von Therapiesitzungen, (3) durch eine größere Verbesserung der Symptomatik oder des Funktionsniveaus oder (4) durch geringere Abbruchraten und eine Verbesserung der Zufriedenheit mit der Therapie abbilden.

Ergebnisse
Die App ist entwickelt worden und verfügbar (Döpfner et al., 2016). Das Projekt befindet sich in der Phase der Erprobung.

DITHO-2: Entwicklung - Smartphone-App für Kinder mit emotionalen und Verhaltensproblemen (AUTHARK)

Entwicklung und Erprobung einer Smartphone-App für Kinder mit emotionalen und Verhaltensproblemen (App-unterstützte Therapie-Arbeit für Kinder: AUTHARK)

Forschungsteam
Anja Görtz-Dorten (federführend), Anja Fessel, Marlin Frank, Leonie Hofmann & Manfred Döpfner

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2020

Zielsetzung 
Die App-unterstützte Therapie-Arbeit für Kinder (AUTHARK) ist primär für den Einsatz innerhalb einer Psychotherapie konzipiert. Die App kann bei verschiedenen Störungsbereichen im Kindesalter eingesetzt werden: 

  • Störungen des Sozialverhaltens (Aggressives Verhalten, Oppositionelles Verhalten, Begrenzte prosoziale Emotionalität), 
  • Angststörungen, 
  • Depressiven Störungen, 
  • Zwangsstörungen, 
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen. 

AUTHARK ist als Therapiebegleitung gedacht und sollte unter Anleitung einer Therapeutin / eines Therapeuten verwendet werden. AUTHARK dient neben der Förderung des Transfers von Bewältigungsstrategien, die in der Therapie erarbeitet wurden, auch der Unterstützung einer spezifischen Diagnostik und der Verlaufskontrolle. 
AUTHARK kann spezifische Informationen über vom Kind erlebte Problemsituationen einschließlich Kognitionen und Emotionen im Alltag liefern und den Transfer von erarbeiteten Bewältigungsstrategien in den Alltag der Kinder erleichtern und überprüfen und die Motivation der Kinder zur Durchführung der Therapieaufgaben erhöhen. Die App ist für den Altersbereich von 6 bis 12 Jahre konzipiert. 

AUTHARK kann besonders gut in Kombination mit verhaltenstherapeutischen Behandlungsprogrammen wie z. B. dem Therapieprogramm für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV), dem Sozialen computerunterstützten Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT), dem Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP) oder dem Therapieprogramm für Kinder und Jugendliche mit Angst- und Zwangsstörungen (THAZ) eingesetzt werden. Im Therapieprogramm THAV werden explizit die Verwendungsmöglichkeiten der App beschrieben. 
Zusätzlich ist auf der Homepage authark-app.de ein Manual zur App als PDF zum Download verfügbar, das die Nutzung der Therapie-App AUTHARK erleichtert. Die einzelnen Funktionen und deren Einsatzmöglichkeiten werden dargestellt und die Möglichkeiten zur individuellen Einstellung der Funktionen ausführlich beschrieben.

Die App verfügt über mehrere Funktionen: 

  1. Psychoedukations-Funktion 
  2. Momentary Assessment-Funktion
  3. Video-Tagebuchfunktion
  4. Erinnerungsfunktion
  5. Trainingsfunktion
  6. Verstärkerfunktion

Der Patient kann die im Alltag erlebten Problemsituationen, sowie die dabei ausgelösten Gedanken und Emotionen und die eingesetzten Bewältigungsstrategien im Alltag über die App per Video oder kurze Eingaben aufzeichnen. Die verschiedenen Funktionen der App sind störungsspezifisch (zu Störungen des Sozialverhaltens (Aggressives Verhalten, Oppositionelles Verhalten, Begrenzte prosoziale Emotionalität), Angststörungen, Depressiven Störungen, Zwangsstörungen sowie Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen) auswählbar.

Psychoedukations-Funktion. Zu einem bestimmten von der Therapeutin / dem Therapeuten zu definierenden Störungsbereich wird dem Patienten anhand von sich nach und nach aufbauenden Erklär-Grafiken das Entstehungsmodell über die Ursachen des jeweiligen Problemverhaltens (So kann es sein) erklärt.  Dieses Modell stellt die Basis für die Entwicklung einzelner Interventionsschritte dar. Die Ansätze einer kognitiven Verhaltenstherapie werden vorgestellt und ein Ausblick auf Veränderungsmöglichkeiten gegeben (So kann es werden).

Momentary Assessment-Funktion. Zu bestimmten von der Therapeutin / dem Therapeuten zu definierenden Tagen und Uhrzeiten wird der Patient per Push-Nachricht aufgefordert, über seine aktuellen Gefühle (Angst, Ekel, Freude, Trauer, Wut) und Befindlichkeiten (aufmerksam, unruhig und eiskalt, berechnend, schadenfroh, mitleidlos), durch kurze Eingaben in das Smartphone, Auskunft zu geben. So wird er beispielsweise über verschiedene Begriffe / Gefühlsgestalten nach der Stimmung gefragt und anschließend kann er per Gefühlsthermometer die Intensität seiner Gefühle angeben. Es können vorgegebene Items zu Erfassung von aktuellen Emotionen ausgewählt werden oder Items zur Erfassung von aktuellen Kognitionen, Emotionen und Verhaltensweisen sowie das Antwortformat von der Therapeutin / vom Therapeuten frei definiert werden.

Video-Tagebuchfunktion. Der Patient wird von Till Taff, einer Identifikationsfigur, begrüßt und zu einem bestimmten von der Therapeutin / vom Therapeuten zu definierenden Störungsbereich mit Fragen konfrontiert (z.B. für bei aggressivem Verhalten: „Gab es eine Situation, in der du wütend geworden bist oder hast du etwas erlebt, das dich geärgert oder dich genervt hat?  Hast du mit jemandem Streit gehabt oder hast du dich provoziert oder ungerecht behandelt gefühlt?“). Darauf soll der Patient per Buttons mit „Ja“ oder „Nein“ antworten. Er wird aufgefordert, ein Video aufzunehmen, in dem er von den Vorkommnissen (Was ist passiert? Was hast du gedacht? Wie hast du dich gefühlt? Was hast du gemacht? Was hast du danach gedacht? Wie hast du dich danach gefühlt? Was glaubst du, hat dein Gegenüber danach gedacht? Was glaubst du, hat dein Gegenüber danach gefühlt? Was ist danach passiert? Würdest du beim nächsten Mal etwas anders machen wollen? usw.) erzählt. Abhängig vom Alter oder Therapiefortschritt kann ein verkürzter Fragenkanon (über verschiedene Level) ausgewählt oder individuell (über Bausteine) zusammengestellt werden. Schließlich kann der Patient für sein Verhalten einen passenden Bewertungs-Emoji vergeben. Nach jedem Schritt in der App wird der Patient mit einer Münze belohnt und kann sich - wenn er genug Münzen gesammelt hat - neue Kleidungsstücke und Gadgets für Till einkaufen oder die Münzen gegen Belohnungen im Alltag eintauschen. Per Push-Funktion wird der Patient zu einem gewünschten Zeitpunkt (z.B. montags bis freitags immer um 15.00 Uhr) per Nachricht auf dem Smartphone an die Aufnahme des Videotagebuchs erinnert. 

Erinnerungsfunktion. Per Push-Nachricht wird der Patient zu einem gewünschten Zeitpunkt an eine Therapieaufgabe (beispielsweise sich zu verabreden, seine Vokabeln zu lernen) erinnert, die die Therapeutin / der Therapeut in der Therapiesitzung gemeinsam mit dem Patienten definiert hat. Die Ergebnisse der Therapieaufgabe kann der Patient über einzelne Items dokumentieren (z.B.: „Wie gut ist dir die Aufgabe gelungen?“) und er kann auch per Video-Tagebuch davon berichten, wie er die Therapieaufgabe bewältigt hat.

Trainingsfunktion. Zum Einüben von Problemlösungen kann der Patient zu einem bestimmten von der Therapeutin / dem Therapeuten zu definierenden Störungsbereich passende Trainingsaufgaben erhalten (z.B. bei aggressivem Verhalten zur Lösung von Konfliktsituationen mit Gleichaltrigen) und es kann überprüft werden, wie gut der Patient erlernte Problemlösestrategien entwickeln kann (z.B. wird bei aggressivem Verhalten eine soziale Konfliktsituation vorgestellt und der Patient soll Gegengedanken oder andere Bewältigungsstrategien sowie alternative Verhaltensweisen benennen). Diese Trainingsaufgaben können ausgewählt oder frei von der Therapeutin / vom Therapeuten beschrieben werden. Dabei meldet sich Till an bestimmten Tagen zu einer bestimmten von der Therapeutin / vom Therapeuten definierten Uhrzeit per Push-Nachricht mit einem störungsspezifischen Problem, mit dem er konfrontiert ist, und bittet den Patienten um Rat. Der Patient kann per Videobotschaft eine Antwort geben.

Verstärkerfunktion. Über die Bearbeitung der oben genannten Funktionen kann der Patient Münzen sammeln und für Gadgets (Kleidungsstücke etc. für die Identifikationsfigur der App) oder Belohnungsgutscheine für den Alltag des Patienten im Store einlösen.
 
Die Video-Aufzeichnungen über erlebte Situationen, Gedanken und Emotionen im Alltag und die eingesetzten Bewältigungsstrategien und der Verlauf hinsichtlich der Veränderung der subjektiv erlebten Intensität der Emotionen und Bewältigungsstrategien lässt sich direkt aus den aufgezeichneten Einträgen in der App ablesen. 
Die Videos und Einträge werden auf dem Smartphone gespeichert und können jederzeit wieder angesehen werden. 
Die Sprachaufzeichnungen können als Text-Datei exportiert und an die Therapeutin / den Therapeuten verschickt werden. 

Eine digitale Therapie-Optimierung durch diese Smartphone-App für Kindern mit aggressiven Verhaltensproblemen wurde erprobt und soll evaluiert werden.

Methoden
In der ersten Projektphase wurde die Therapie-App AUTHARK entwickelt. In der zweiten Phase wurde die praktische Anwendung von AUTHARK zusammen mit Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren erprobt.

Ergebnisse
Die Entwicklung von AUTHARK sowie die Phase der Erprobung der App in der praktischen Anwendung ist abgeschlossen und die Evaluation ist gestartet.

DITHO-3: Evaluation - Smartphone-App AUTHARK bei Kindern mit aggressiven Verhaltensauffälligkeiten

Evaluation des zusätzlichen Effektes der AUTHARK-App bei Kindern mit aggressiven Verhaltensauffälligkeiten

Forschungsteam
Anja Görtz-Dorten (federführend), Anja Fessel, Marlin Frank, Leonie Hofmann & Manfred Döpfner

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2022

Zielsetzung
Therapeutische Effekte von sozialen Kompetenztrainings bei Kindern mit einer Störung des Sozialverhaltens sind bereits nachgewiesen worden. Kompetenztrainings sind vor allem dann erfolgreich, wenn es gelingt, direkt mit dem Kind an seiner Problematik zu arbeiten. Dabei sind therapeutische Hausaufgaben ein unverzichtbarer Bestandteil, um Therapieinhalte in den Alltag der Kinder zu transferieren und zwischen den Therapiesitzungen neu erlernte Strategien zu trainieren und zu vertiefen. Klinische Erfahrungen zeigen jedoch, dass Kinder bei der Umsetzung therapeutischer Hausaufgaben oft deutliche Probleme haben, sei es aufgrund mangelnder Therapiemotivation oder anderer Faktoren (z.B. Organisationsprobleme) und dadurch die Wirksamkeit von Therapieprogrammen häufig gemindert wird. Eine noch relativ junge Entwicklung ist die Nutzung von Apps auf Smartphones zur Unterstützung therapeutischer Hausaufgaben, um den Transfer von Bewältigungsstrategien in den Alltag zu erleichtern. Die Wirksamkeit von Smartphone-Apps, die systematisch in der Therapie genutzt werden, wurde bislang kaum empirisch überprüft.  Basierend auf dieser Ausgangslage ist das Ziel verschiedener Studien die Wirksamkeit einer Smartphone-App teils im Vergleich zu Paper-Pencil-Methoden zu evaluieren. Anhand eines randomisierten Kontrollgruppen-Designs soll geprüft werden, ob durch den Einsatz der AUTHARK-App klassische face-to-face-Therapie mit dem Therapieprogramm THAV verbessert werden kann. Die Verbesserung kann sich über (1) die häufigere und erfolgreichere Umsetzung von Therapieaufgaben im natürlichen Umfeld, (2) durch eine Verringerung der Zahl von Therapiesitzungen, (3) durch eine größere Verbesserung der Symptomatik oder des Funktionsniveaus oder (4) durch geringere Abbruchraten und eine Verbesserung der Zufriedenheit mit der Therapie abbilden.

Methoden
Die Evaluation von AUTHARK soll in einer Stichprobe von n=60 Kindern anhand eines randomisierten Kontrollgruppen-Designs erfolgen. Haupteinschlusskriterien sind (1) Alter: 6-12 Jahre, (2) Diagnose einer Störung des Sozialverhaltens, (3) Gleichaltrigenaggression. Ausschlusskriterien sind Tiefgreifende Entwicklungsstörungen, andere psychische Störungen, die im Vordergrund stehen, ein IQ unter 80 und krisenhafte Zuspitzungen, die eine stationäre Behandlung nahelegen. 

Zunächst findet eine ausführliche Diagnostikphase statt. Danach werden die Kinder randomisiert. Im randomisierten Kontrollgruppendesign (siehe Abb. 1) durchläuft jeder Proband eine 16-24 wöchige Interventionsphase (im Einzelformat wöchentlich in 16 bis 24 Patientenkontakten und 4-6 ergänzenden Bezugspersonenkontakten) entweder mit dem Therapiegrogramm für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV) und dem Sozialen computerunterstützten Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT) einschließlich der AUTHARK-App oder dem Therapieprogramm für Kinder mit aggressivem Verhalten (THAV) und dem Sozialen computerunterstützten Training für Kinder mit aggressivem Verhalten (ScouT) ohne Einsatz der AUTHARK-App sondern mit Einsatz von Selbstbeurteilungsbogen. Messungen werden nach jeweils 8 Patientenkontakten und 2 Bezugspersonenkontakten durchgeführt. Darüber hinaus wird wöchentlich eine Verhaltensproblemliste zur Verlaufsmessung eingesetzt. 

Es soll untersucht werden, ob sich durch den Einsatz von AUTHARK die Umsetzung von Therapieaufgaben im Vergleich zu Paper-Pencil-Methoden im natürlichen Umfeld, die allgemeine Compliance in der Therapie, die Anzahl von Therapiesitzungen, die Symptomatik, das Funktionsniveaus sowie die Zufriedenheit der Patienten, Eltern und Therapeuten mit der Therapie und damit die Wirksamkeit von Kompetenztrainings verbessern lässt und ob die Nutzung von AUTHARK den Erfolg der Therapie mediiert.

Ergebnisse
Die Phase der Erprobung der App in der praktischen Anwendung ist abgeschlossen und die Evaluation ist gestartet. Erste Erfahrungen zeigen eine hohe Nutzerzufriedenheit und Annahme der Smartphone-App AUTHARK durch die Kinder im Alltag. Die ersten Patienten zur Überprüfung der AUTHARK-App hinsichtlich ihrer Effekte im Vergleich zu Paper-Pencil-Methoden in der randomisierten Kontrollgruppenstudie wurden im Januar 2019 eingeschlossen.

DITHO-4: Entwicklung - Smartphone-App für Jugendliche mit emotionalen und Verhaltensproblemen (JAY)

Entwicklung und Erprobung einer Smartphone-App für Jugendliche mit emotionalen und Verhaltensproblemen (Journaling App for Youth: JAY)

Forschungsteam
Anja Görtz-Dorten (federführend), Anja Fessel, Lavinia Thelen, Daniel Walter & Manfred Döpfner

Laufzeit
Voraussichtlich bis 2021

Zielsetzung
Die Journaling App for youth (JAY) ist primär für den Einsatz innerhalb einer Psychotherapie konzipiert. Die App kann bei verschiedenen Störungsbereichen im Jugendalter eingesetzt werden: 

  • Störungen des Sozialverhaltens (Aggressives Verhalten, Oppositionelles Verhalten, Begrenzte prosoziale Emotionalität), 
  • Angststörungen, 
  • Depressiven Störungen, 
  • Zwangsstörungen, 
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen und Leistungsstörungen. 

JAY ist als Therapiebegleitung gedacht und sollte unter Anleitung einer Therapeutin / eines Therapeuten verwendet werden. JAY dient neben der Förderung des Transfers von Bewältigungsstrategien, die in der Therapie erarbeitet wurden, auch der Unterstützung einer spezifischen Diagnostik und der Verlaufskontrolle. JAY kann spezifische Informationen über vom Jugendlichen erlebte Problemsituationen einschließlich Kognitionen und Emotionen im Alltag liefern und den Transfer von erarbeiteten Bewältigungsstrategien in den Alltag der Jugendlichen erleichtern und überprüfen und die Motivation der Jugendlichen zur Durchführung der Therapieaufgaben erhöhen. Die App ist für den Altersbereich von 13 bis 17 Jahre konzipiert.

JAY kann besonders gut in Kombination mit verhaltenstherapeutischen Behandlungsprogrammen wie z. B. dem Therapieprogramm für Jugendliche mit Selbstwert-, Leistungs- und Beziehungsstörungen (SELBST) eingesetzt werden. 

Zusätzlich wird ein Manual zur App entwickelt, das als PDF zum Download auf einer Homepage verfügbar sein wird, das die Nutzung der Therapie-App JAY erleichtern soll. Hier sollen dann die einzelnen Funktionen und deren Einsatzmöglichkeiten dargestellt und die Möglichkeiten zur individuellen Einstellung der Funktionen ausführlich beschrieben werden.

Die App ist parallel zur AUTHARK-App aufgebaut und verfügt über mehrere Funktionen: 

  1. Psychoedukations-Funktion
  2. Momentary Assessment-Funktion.
  3. Video-Tagebuchfunktion. 
  4. Erinnerungsfunktion. 
  5. Trainingsfunktion.
  6. Verstärkerfunktion. 

Der Patient kann die im Alltag erlebten Problemsituationen, sowie die dabei ausgelösten Gedanken und Emotionen und die eingesetzten Bewältigungsstrategien im Alltag über die App per Video oder kurze Eingaben aufzeichnen. Die verschiedenen Funktionen der App sind störungsspezifisch (zu Störungen des Sozialverhaltens (Aggressives Verhalten, Oppositionelles Verhalten, Begrenzte prosoziale Emotionalität), Angststörungen, Depressiven Störungen, Zwangsstörungen sowie Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen) auswählbar.

Psychoedukations-Funktion. Zu einem bestimmten von der Therapeutin / dem Therapeuten zu definierenden Störungsbereich wird dem Patienten anhand von sich nach und nach aufbauenden Erklär-Grafiken das Entstehungsmodell über die Ursachen des jeweiligen Problemverhaltens (So kann es sein) erklärt.  Dieses Modell stellt die Basis für die Entwicklung einzelner Interventionsschritte dar. Die Ansätze einer kognitiven Verhaltenstherapie werden vorgestellt und ein Ausblick auf Veränderungsmöglichkeiten gegeben (So kann es werden).

Momentary Assessment-Funktion. Zu bestimmten von der Therapeutin / dem Therapeuten zu definierenden Tagen und Uhrzeiten wird der Patient per Push-Nachricht aufgefordert, über seine aktuellen Gefühle (Angst, Ekel, Freude, Trauer, Wut) und Befindlichkeiten (aufmerksam, unruhig und eiskalt, berechnend, schadenfroh, mitleidlos),  durch kurze Eingaben in das Smartphone, Auskunft zu geben. So wird er beispielsweise über verschiedene Begriffe / Abbildungen nach der Stimmung gefragt und anschließend kann er die Intensität seiner Gefühle angeben. Es können vorgegebene Items zu Erfassung von aktuellen Emotionen ausgewählt werden oder Items zur Erfassung von aktuellen Kognitionen, Emotionen und Verhaltensweisen sowie das Antwortformat von der Therapeutin / vom Therapeuten frei definiert werden.

Video-Tagebuchfunktion. Der Patient wird von einer Identifikationsfigur, begrüßt und zu einem bestimmten von der Therapeutin / vom Therapeuten zu definierenden Störungsbereich mit Fragen konfrontiert (z.B. bei aggressivem Verhalten: „Gab es eine Situation, in der du wütend geworden bist oder hast du etwas erlebt, das dich geärgert oder dich genervt hat?  Hast du mit jemandem Streit gehabt oder hast du dich provoziert oder ungerecht behandelt gefühlt?“). Darauf soll der Patient per Buttons mit „Ja“ oder „Nein“ antworten. Er wird aufgefordert, ein Video aufzunehmen, in dem er von den Vorkommnissen (Erzähl mal! Was ging ab? Was ist passiert? Was hast du gedacht? Wie hast du dich gefühlt? Was hast du gemacht? Was hast du danach gedacht? Wie hast du dich danach gefühlt? Was glaubst du, hat dein Gegenüber danach gedacht? Was glaubst du, hat dein Gegenüber danach gefühlt? Was ist danach passiert? Würdest du beim nächsten Mal etwas anders machen wollen? usw.) erzählt. Abhängig vom Alter oder Therapiefortschritt kann ein verkürzter Fragenkanon (über verschiedene Level) ausgewählt oder individuell (über Bausteine) zusammengestellt werden. Schließlich kann der Patient für sein Verhalten einen passenden Bewertungs-Emoji vergeben. Nach jedem Schritt in der App wird der Patient mit einer Münze belohnt und kann - wenn er genug Münzen gesammelt hat - neue Kleidungsstücke und Gadgets für Till einkaufen oder die Münzen gegen Belohnungen im Alltag eintauschen. Per Push-Funktion wird der Patient zu einem gewünschten Zeitpunkt (z.B. montags bis freitags immer um 15.00 Uhr) per Nachricht auf dem Smartphone an die Aufnahme des Videotagebuchs erinnert. 

Erinnerungsfunktion. Per Push-Nachricht wird der Patient zu einem gewünschten Zeitpunkt an eine Therapieaufgabe (beispielsweise sich zu verabreden, seine Vokabeln zu lernen) erinnert, die die Therapeutin / der Therapeut in der Therapiesitzung gemeinsam mit dem Patienten definiert hat. Die Ergebnisse der Therapieaufgabe kann der Patient über einzelne Items dokumentieren (z.B.: „Gib mal Feedback wie‘s gelaufen ist!“) und er kann auch per Video-Tagebuch davon berichten, wie er die Therapieaufgabe bewältigt hat.

Trainingsfunktion. Zum Einüben von Problemlösungen kann der Patient zu einem bestimmten von der Therapeutin / dem Therapeuten zu definierenden Störungsbereich passende Trainingsaufgaben erhalten (z.B. bei aggressivem Verhalten zur Lösung von Konfliktsituationen mit Gleichaltrigen) und es kann überprüft werden, wie gut der Patient erlernte Problemlösestrategien entwickeln kann (z.B. wird bei aggressivem Verhalten eine soziale Konfliktsituation vorgestellt und der Patient soll Gegengedanken oder andere Bewältigungsstrategien sowie alternative Verhaltensweisen benennen). Diese Trainingsaufgaben können ausgewählt oder frei von der Therapeutin / vom Therapeuten beschrieben werden. Der Patient kann per Videobotschaft eine Antwort geben.

Verstärkerfunktion: Über die Bearbeitung der oben genannten Funktionen kann der Patient Münzen sammeln und für Gadgets (Kleidungsstücke etc. für die Identifikationsfigur der App) oder Belohnungsgutscheine für den Alltag des Patienten im Store einlösen.
 
Die Video-Aufzeichnungen über erlebte Situationen, Gedanken und Emotionen im Alltag und die eingesetzten Bewältigungsstrategien und der Verlauf hinsichtlich der Veränderung der subjektiv erlebten Intensität der Emotionen und Bewältigungsstrategien lässt sich direkt aus den aufgezeichneten Einträgen in der App ablesen. Die Videos und Einträge werden auf dem Smartphone gespeichert und können jederzeit wieder angesehen werden. Die Sprachaufzeichnungen können als Text-Datei exportiert und an die Therapeutin / den Therapeuten verschickt werden. 

Methoden 
In der ersten Projektphase wird die Therapie-App JAY entwickelt. In der zweiten Phase soll die praktische Anwendung von JAY zusammen mit Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren erprobt werden.

Ergebnisse
Gegenwärtig wir JAY entwickelt. Danach soll sich eine Phase der Erprobung der App in der praktischen Anwendung anschließen.

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